Palästinenser weisen Vorwurf zurück
Heckenschütze soll Kind in Hebron erschossen haben

Ein palästinensischer Heckenschütze hat nach israelischen Armeeangaben am Montag in Hebron ein zehn Monate altes Kind eines jüdischen Siedlers erschossen. Der Heckenschütze habe dem Mädchen in der Siedlung Awraham Awinu in den Kopf geschossen und dessen Vater durch einen Beinschuss verletzt. Die israelische Regierung ordnete die Abriegelung Hebrons an, wo nach Armeeangaben nach dem Tod des Kindes die heftigsten dortigen Gefechte seit Beginn der Palästinenser-Unruhen vor fast einem halben Jahr ausbrachen. Der palästinensische Kabinettsminister Jassir Abed Rabbo wies die Vorwürfe zurück, bei dem Todesschützen habe es sich um einen Palästinenser gehandelt.

rtr HEBRON. Das Kind ist möglicherweise das jüngste Opfer der Ende September ausgebrochenen Unruhen in den Palästinenser-Gebieten, in denen mindestens 329 Menschen getötet wurden. Die meisten Opfer sind Palästinenser. Ein Sprecher der Armee, das Mädchen habe sich mit ihrem Vater vor dem Haus aufgehalten, als das Feuer eröffnet worden sei. Nach dem Tod des Kindes sei es in Hebron zu Gefechten gekommen, bei denen die Armee Panzergranaten abgefeuert habe und mit Maschinengewehren geschossen habe. Aus Ärztekreisen verlautete, mindestens zwei Palästinenser seien verwundet worden.

Die israelische Regierung ordnete nach Angaben des Verteidigungsministeriums neben der Blockade Hebrons eine Ausgangssperre für die Ortschaft Abu Sneinah an, aus der die tödlichen Schüsse abgefeuert worden sein sollen. Aus israelischen Kreisen verlautete zudem, die palästinensischen Bewohner der Ortschaft seien von der Armee aufgefordert worden, bis zum Abend ihre Häuser zu verlassen. Der Grund für die Anordnung wurde nicht genannt.

Auch an anderen Orten in den von Israel besetzten Gebieten kam es am Montag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Dabei wurden mindestens zwölf weitere Palästinenser verletzt. Augenzeugen zufolge schossen israelische Soldaten bei Unruhen in Jericho mit Gummi ummantelten Metallgeschossen auf Palästinenser, die israelische Kontrollposten mit Steinen angriffen. In Jericho seien fünf Palästinenser und bei Unruhen in der Stadt Kalkilya zwei Palästinenser verletzt worden. Im Gaza-Streifen nahe dem Grenzübergang Karni seien drei palästinensische Jugendliche verletzt worden, davon ein 15-jähriger schwer. Im bei Hebron gelegenen Flüchtlingslager Arub seien zwei Palästinenser verletzt worden.

Der palästinensische Minister Rabbo sagte in der jordanischen Hauptstadt Amman, es gebe keinen Beweis dafür, dass das Mädchen von einem Palästinenser erschossen worden sei. Er fügte hinzu, dass nach Einschätzung der Palästinenser die "Gräueltaten der Besetzung" für alle Verbrechen verantwortlich seien, durch die Palästinensern und Israel getötet worden seien.

Arabischen Staaten ist die Unterstützung bislang nicht viel wert

Rabbo hielt sich in Amman auf, um bei dem am Dienstag dort beginnenden Treffen der Arabischen Liga für die Unterstützung der Palästinenser zu werben. An dem zweitägigen Treffen nimmt auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan teil. Arabische Staaten haben ihnen eine Milliarde Dollar (etwa 2,2 Mrd. DM) zugesagt, bislang ist jedoch kaum Geld ausgezahlt worden. Ein Sprecher von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat sagte, er sei zuversichtlich, dass die Liga eine einheitliche arabische Haltung für die Unterstützung der Palästinenser erreichen werde.

In New York bemühte sich der Uno-Sicherheitsrat weiter über eine Resolution zum Nahen Osten. Eine Einigung in der Frage einer Entsendung unbewaffneter Polizei- und Militärbeobachter in die Palästinensergebiete gab es zunächst nicht. Israel ist strikt gegen die von den Palästinensern geforderte Entsendung. Auch die USA haben Bedenken geäußert. Diplomaten hofften, noch vor dem Beginn des Gipfeltreffens der Arabischen Liga einen Kompromiss finden zu können.

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