Palästinenser werfen Israelis Massaker vor
UN-Team soll Vorfälle in Dschenin untersuchen

Eine internationale Kommission unter Leitung des früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari soll die Geschehnisse bei der israelischen Eroberung des Flüchtlingslagers von Dschenin untersuchen. Das gab UN-Generalsekretär Kofi Annan am Montag in New York bekannt.

NEW YORK/JERUSALEM. Bei einem Gespräch mit dem Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat in Ramallah versuchte der US-Sondergesandte William Burns, die gespannte Lage in der Stadt und in Bethlehem zu entschärfen. Bei einem Raketenangriff eines israelischen Kampfhubschraubers auf ein Auto starben am Montagabend in Hebron im Westjordanland zwei Palästinenser.

Wie der israelische Rundfunk berichtete, soll einer der beiden Männer der örtliche Kommandeur einer Al-Aksa-Brigade gewesen sein. Die Brigaden sind der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Arafat. Israel wirft ihnen zahlreiche Anschläge auf Israelis vor. Das andere Opfer soll ein Mitglied der palästinensischen Elitetruppe Force 17 gewesen sein.

Die von Annan berufene Kommission soll möglichst noch in dieser Woche in Dschenin ihre Arbeit aufnehmen. Annan folgte mit der Einsetzung des Untersuchungsteams, dem auch der amerikanische General Bill Nash als Militärberater angehört, einer Aufforderung des Weltsicherheitsrates. Weitere Mitglieder des Teams sind die frühere UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge, Sadako Ogata (Japan) und der frühere Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Cornelio Sommaruga (Schweiz), sowie als Sicherheitsberater der einstige Leiter der UN-Polizei in Bosnien, Peter Fitzgerald (Irland).

Die Palästinenser werfen Israel vor, in Dschenin ein "Massaker" unter Zivilisten angerichtet zu haben. Israel bestreitet das und erklärt, es habe Tote ausschließlich bei Kampfhandlungen zwischen beiden Seiten gegeben. Die israelische Regierung erklärte sich nach dem Beschluss des Sicherheitsrates bereit, eine Untersuchungskommission ungehindert in Dschenin arbeiten zu lassen.

Der palästinensische Geheimdienstchef im Westjordanland Dschibril Radschub sagte, er sehe nach der Großoffensive im Westjordanland keine Möglichkeit mehr zur Sicherheitszusammenarbeit mit Israel. Er warf Ministerpräsident Ariel Scharon vor, mit seiner Politik "alles zerstört" zu haben. Vor Journalisten in Ramallah sagte der als moderat geltende Radschub, mit der am 29. März begonnenen Offensive, die verheerende Zerstörungen in zahlreichen palästinensischen Wohngebieten hinterließ, habe Scharon "ein neues Kapitel in den Beziehungen zu den Palästinensern" aufgeschlagen. "Wir können nicht mehr zu dem zurückkehren, was vorher war", sagte er.

An der Geburtskirche in Bethlehem kam es am Abend zu einer neuen Schießerei. Nach Angaben von Radio Israel brach eine Gruppe von bewaffneten Palästinensern aus der von israelischen Truppen belagerten Kirche aus und eroberte ein nahe gelegenes Gebäude. In dem Gotteshaus halten sich seit Anfang des Monats rund 200, zum Teil bewaffnete Palästinenser verschanzt.

Bei einer Razzia im nördlichen Westjordanland wurde am Nachmittag ein israelischer Soldat erschossen. Auch drei Palästinenser wurden während der Armee-Operation in einem Dorf nördlich von Nablus nach israelischen Medienberichten getötet. Der 22-jährige Soldat wurde erschossen, als Palästinenser das Feuer auf die anrückenden Truppen eröffneten. Die Soldaten wollten in dem Dorf mutmaßliche Extremisten verhaften.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%