Palästinenserführer unverletzt
Israel beschießt Sitz Arafats in Ramallah

In einer weiteren Reaktion auf die Selbstmordanschläge des Wochenendes hat Israel am Mittwoch seine Luftangriffe in den Palästinenser-Gebieten intensiviert. Dabei schlug eine Rakete unmittelbar vor dem Amtssitz von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah ein. Arafat habe sich in dem Gebäudekomplex aufgehalten, sei aber unverletzt geblieben, sagte ein Berater. In Gaza-Stadt wurden nach Krankenhausangaben mindestens zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Reuters RAMALLAH. Der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat warf Israels Ministerpräsident Ariel Scharon Terrorismus vor. Dessen Kabinett hingegen stufte die Palästinenser-Regierung als eine den Terrorismus unterstützende Organisation ein. Daraufhin stellte Außenminister Schimon Peres die Koalition in Frage.

An den Angriffen waren Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber beteiligt. Die Flugzeuge feuerten auf Einrichtungen der Sicherheitskräfte in Gaza-Stadt und im Flüchtlingslager Chan Junis im Süden des Gaza-Streifens. In Gaza-Stadt wurden bei den Angriffen nach Krankenhausangaben ein 15-jähriger Junge und ein Polizist getötet. Zeugen berichteten von mehreren Kindern, die durch Splitter und Trümmer verletzt worden seien. Über der Stadt stand dichter Rauch. Gaza-Stadt ist der Sitz der Autonomie- Regierung Arafats. Erekat sagte, in Ramallah sei eine Rakete in einer Polizeiwache unmittelbar vor dem Amtssitz Arafats eingeschlagen. Ramallah ist der Tagungsort des Palästinenser- Parlamentes.

Bei einem späteren Angriff in Gaza-Stadt feuerten Kampfflugzeuge nach Angaben von Zeugen Raketen auf ein Gebäude von Arafats Leibwache "Force 17". Israelische Kampfhubschrauber beschossen auch die Städte Tulkarm und Kalkilja im Westjordanland. In israelischen Militärkreisen wurden die Angriffe im Westjordanland bestätigt. Es seien Einrichtungen der militanten Gruppen Hamas und Dschihad getroffen worden, hieß es.

Arafat sagte im US-Fernsehsender CNN, Scharon wolle keinen Frieden. Erekat forderte: "Die Welt muss diesen Wahnsinn Scharons sofort stoppen." Die Hamas kündigte Rache an. Die Hamas hat sich zu den Anschlägen am Wochenende bekannt, bei denen in Jerusalem und Haifa mindestens 25 Menschen getötet und rund 200 verletzt wurden.

Die Einstufung der Palästinenser-Regierung als eine den Terrorismus unterstützende Organisation ermöglicht Polizeikreisen zufolge härtere Vergeltungsmaßnahmen. Das israelische Kabinett charakterisierte den militante Flügel der Fatah-Bewegung Arafats sowie die "Force 17" als Terrorgruppen. Der Sozialdemokrat Peres verließ ebenso wie andere linke Minister den Kabinettssaal vor der Abstimmung. Später erklärte Peres, seine Partei werde ihre Zukunft in der Koalition mit Scharons Likud-Partei überdenken. Die Kabinettsentscheidung könne die Palästinenser-Regierung zerstören. Bei einem Treffen der OSZE-Außenminister im rumänischen Bukarest sagte Peres, Israel strebe nicht den Sturz der Palästinenser-Regierung an. Er glaube auch nicht, dass Arafat persönlich zum Ziel werden würde.

US-Außenminister Colin Powell erinnerte nach einem Treffen mit Peres in Bukarest beide Seiten daran, dass "es ein Morgen und ein Übermorgen geben wird", während derer Israelis und Palästinenser Seite an Seite leben müssten. Die israelischen Vergeltungsschläge kritisierte er aber nicht. Der russische Außenminister Igor Iwanow sagte, Russland und die USA wollten zusammenarbeiten, um im Nahen Osten "das Schlimmste zu verhüten". Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) war ebenfalls um eine Entspannung des Konflikts bemüht. Das Auswärtige Amt sprach von einer "intensiven Telefon-Diplomatie". Die Europäische Union (EU) forderte Israel auf, verhältnismäßig auf die jüngsten Anschläge zu reagieren.

Nach den Anschlägen von Haifa und Jerusalem am Wochenende hatte die israelische Armee bereits am Montag Ziele in Gaza-Stadt und Dschenin beschossen. In der Nacht zum Dienstag rückte sie auf Städte im Westjordanland vor und besetzte Teile des Flughafens im Gaza-Streifen. In Nablus sei bei einem Feuergefecht ein 26-jähriger Angehöriger der Fatah-Bewegung erschossen worden, hieß es in palästinensischen Sicherheitskreisen.

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