Palästinensischer Attentäter getötet - Truppenabzug in Gefahr - Scharon sagt Reise nach Washington ab
Drei Tote und dutzende Verletzte bei Terroranschlag in Jerusalem

Ein palästinensischer Attentäter hat am Sonntag bei einem Terroranschlag auf einen Bus in Jerusalem zwei Menschen getötet und über 40 weitere Personen verletzt.

ap JERUSALEM. Der Attentäter, bei dem es sich laut israelischer Polizei um ein Mitglied der militanten Gruppierung Islamischer Dschihad handelt, wurde am Tatort von israelischen Sicherheitskräften und einem herbeigeeilten Zivilisten erschossen.

Die Bluttat gefährdete den von Israel nur wenige Stunden zuvor angekündigte Truppenabzug aus allen besetzten Ortschaften im Westjordanland. Außenminister Schimon Peres äußerte allerdings die Erwartung, die Räumung werde wie geplant von statten gehen.

Möglicherweise gab es noch zwei weitere Attentäter. Zeugen beobachteten, wie zwei Männer vom Tatort wegrannten. Die Männer könnten jedoch auch unschuldig sein, Waffen hätten sie vermutlich keine, sagte Jerusalems Polizeichef Mickey Levy. Das schnelle Eingreifen des Zivilisten und der Sicherheitskräfte habe Schlimmeres verhütet. Bei dem Zivilisten handelt es sich um einen Siedler aus dem Westjordanland, der nur seinen Vornamen Marcus nennen wollte. Er berichtete im Radio: «Er (der Attentäter) stand da und schoss. Ich sprang aus dem Auto. Ich feuerte. Ich schoss das ganze Magazin leer. Er fiel. Dann kamen zwei Soldaten, und ich zeigte ihnen, wo er war, und sie schossen mit ihren M-16 auf ihn.»

Zuvor hatte Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser im israelischen Kabinett erklärt, der Truppenabzug aus den besetzten Ortschaften werde in Kürze beginnen. Auslöser der international kritisierten israelischen Militäraktion war der Mordanschlag auf Tourismusminister Rehawam Seewi am 17. Oktober. Als erstes werde die im Westjordanland gelegene Stadt Kalkilja geräumt, sagte Ben-Elieser nach einer Meldung des israelischen Rundfunks. Danach sollen auch die Soldaten und Panzer aus Dschenin, Ramallah und Tulkarem abgezogen werden.

Vor einer Woche waren unter diplomatischem Druck der USA bereits Bethlehem und Beit Dschalla geräumt worden. Das Ende der Besetzungen stand im Mittelpunkt einer Unterredung des israelischen Außenministers Schimon Peres mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Jassir Arafat. Bei dem Treffen auf Mallorca forderte Peres die Palästinenser am Samstag zur Einhaltung der Waffenruhe auf. Arafat sprach sich erneut für die Entsendung internationaler Beobachter aus, was von Israel abgelehnt wird.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sagte unterdessen einen für den 11. November geplanten Besuch in Washington ab. Scharons Sprecher David Baker begründete die Entscheidung mit der angespannten Sicherheitslage. Arafat will hingegen nach Angaben eines Sprechers vom 10. bis 12. November nach New York reisen, um an der Vollversammlung der Vereinten Nationen teilzunehmen.

Israelischer Angriff auf Fabrik im Gazastreifen

Die israelischen Streitkräfte beschossen am Sonntag drei Fabrikgebäude im Gazastreifen mit Raketen und setzten sie in Brand. In den Betrieben seien Granaten produziert worden, erklärten die Streitkräfte. Bewohner des Gazastreifens wiesen diesen Vorwurf zurück und gaben an, dass dort Holzsägen und Schneidemaschinen für Marmor hergestellt worden seien. Während des Angriffs kreisten mehrere Kampfhubschrauber über dem nördlichen Gazastreifen und beschossen Ziele am Boden mit großkalibrigen Geschossen. Am Samstagabend erschossen israelische Soldaten einen Major der palästinensischen Polizei.

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