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Palm braucht Trampolin-Effekt

Schlechte Nachrichten müssen schnell raus. Der Juni könnte daher ein weiterer Monat mit vielen High-Tech-Warnungen werden.

Revisionen der Ergebnisprognosen nach unten dürften wiederum die Folge sein. Die Börsen für Wachstumsaktien werden in dieser Negativspirale immer wieder fragen: Wann springt der Gewinntrend wieder nach oben?

Nehmen wir Palm. Der handgroße elektronische Power-Planer ist Kult. Die Marke ist weltweit bekannt. Das Palm-Betriebssystem dominiert den Markt für Westentaschen-PCs. Dennoch ist die Aktie immer noch teuer, obwohl sie in den letzten zwölf Monaten bereits rund 90 Prozent an Wert verloren hat. Die Börseneinführung Anfang 2000 war umjubelt wie selten bei einer Neuemission. Nun fehlt nicht mehr viel bis zum Totalverlust. Bis 160 Dollar schnellte der Kurs am ersten Börsentag mal hoch. Immerhin knapp 70 Dollar schaffte die Aktie noch im vergangenen Herbst. Derzeit sind es rund sechs Dollar.



Selbst das ist nicht billig. Denn im gerade beendeten Geschäftsjahr (Mai 2001) wird wahrscheinlich Ende Juni ein Verlust je Aktie veröffentlicht. Vor drei Monaten rechneten die Analysten noch mit 13 Cents Gewinn. Nun erwarten sie einen Verlust von 8 Cents. Und die Prognosen für das kommende Jahr haben sich ähnlich verschlechtert. Statt 22 Cents Gewinn geht die Anlegergemeinde nun sogar von einem noch höheren Verlust von 22 Cents aus. Wer da in diese Aktie einsteigt, sollte schon gute Nerven oder herausragende Vorausahnungen besitzen. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Analysten die Aktie auf Halten setzt. Warum traut sich eigentlich kaum einer, zum Verkauf zu raten?



Palm

ist ein gutes Beispiel für die Missverhältnisse, die noch immer die Märkte für Wachstumsaktien kennzeichnen. Im vierten Quartal (Mai 2001) hat das Unternehmen wahrscheinlich noch nicht einmal 200 Millionen Dollar umgesetzt. Dennoch bewertet die Börse das Unternehmen immer noch mit mehr als drei Milliarden Dollar. Viel Hoffnung wird da gehandelt. Aber worauf gründet sie sich eigentlich?



Auf den Marktanteil wohl kaum. Die Dominanz nimmt ab. Die direkte Konkurrenz (etwa Handspring) entfacht einen mörderischen Preiskampf. Und die indirekte Konkurrenz (Microsoft) arbeitet daran, das Produkt in eine Nischenposition zu drängen. Palm - künftig zwar noch Kult, aber kommerziell uninteressant?



Dem vergleichsweise kleinen Unternehmen fehlt in Zeiten eines konjunkturellen Abschwungs die Marketingpower, um Paroli zu bieten. Noch wirkt Palm zwar für mögliche Käufer nicht sonderlich attraktiv, weil steuerliche Überlegungen und ein paar Giftpillen eine sofortige Übernahme verteuern würden. Doch die möglichen Interessenten (wie IBM, Apple oder Sony) können in Ruhe abwarten. Bei den aktuellen Gewinnperspektiven dürfte das Aufwärtspotenzial der Aktie begrenzt sein. Ein fairer Wert von 11 Dollar, wie er schon mal mit einer Wende in 2003 ausgerufen wird, erscheint nur mit der Übernahmephantasie erreichbar. Und das ist für langfristig denkende Anleger nun doch ein Glücksspiel.



Ob die Palm-Aktie womöglich von einem Trampolin-Effekt im High-Tech-Sektor profitieren könnte? Vielleicht. Dahinter steckt die Überlegung, dass die Abwärtsrevisionen der Gewinnprognosen in den nächsten zwei, drei Monaten auf die Spitze getrieben werden. Wenn die US-Konjunktur durch die Zinssenkungen nun schnell anspringt, könnte sich der Pessimismus der Analysten und Anleger als übertrieben herausstellen und die Kurse der Wachstumsaktien, insbesondere der Technologiewerte, auf breiter Front wieder hochtreiben. Immer verbunden mit der Hoffnung, dass die Gewinne von der niedrigen Basis aus kräftig nach oben gehen.



Die Theorie hört sich ja plausibel an. Doch nicht jede Aktie wird davon profitieren. Anleger werden auch dann fein säuberlich unterscheiden: Wer macht Gewinne, wer nicht? Welche Aktie ist gemessen an den Gewinnerwartungen niedrig bewertet? Wessen Prognosen sind auf Sand gebaut, wer hat Beton verwendet? Vorsicht wird bei der Aktienanlage an den Wachstumsmärkten in den nächsten Jahren einen wesentlichen höheren Stellenwert einnehmen als in den letzten Jahren. Der Trend: Schwarze Zahlen sind heute schon gefragt, Luftschlösser für die nächsten fünf bis zehn Jahre sind out.

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