Panik beherrscht das Parkett
Nun gehen auch Standardwerte unter

In rauschendem Tempo geht es auf dem Parkett abwärts. Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht. Nachdem es bislang vorwiegend High-Tech-Titel und Wachstumswerte getroffen hat, weisen nun auch die Standardwerteindizes große Minuszeichen aus.

DÜSSELDORF. Ein Ende der Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten scheint nicht in Sicht. Während der Neue Markt inzwischen mehr als drei Viertel seines Börsenkapitals verloren hat, trifft es nun auch die Standardwerte: Bislang hat der Deutsche Aktienindex Dax sich relativ gut gehalten. Von seinem Allzeithoch bei über 8 000 Punkten hat er bislang in der Abwärtsbewegung lediglich 25 % eingebüßt.

Im Jahr 1998 sah das anders aus: Der Dax verlor binnen weniger Monate von seinem Höchststand über 6 000 Punkten über 40 % und rangierte schließlich weit unter 4 000 Punkten. Heute schließlich fallen auch die Standardwerte in rasantem Tempo - allen voran Industrie- und Finanztitel.

Makaber beschreiben amerikanische Börsenexperten die momentane Marktschwäche: "Es ist mehr als ein schleichender Tod", sagte ein Lance Zipper, Händler bei Brean Murray & Co. "Irgendwann muss das aufhören, wir wissen nur nicht wann. Jedesmal, wenn wir das Gefühl haben, wir sind kurz davor, geht es doch wieder weiter bergab." Der Dow Jones-Index für die us-amerikanischen Standardwerte fiel kurz nach Handelsbeginn sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten. Wie weit und wie lange wird sich dieser Trend noch fortsetzen?

Kursniveaus, bei denen sich die Aktienbarometer fangen sollten, lassen sich momentan kaum bestimmen: "Unterstützungslinien für die Indizes zu berechnen, macht keinen Sinn. Kurse, die wir heute sehen, hatte wir zuletzt vor 16 oder 17 Monaten", sagt Uwe Wagner, technischer Analyst der Deutschen Bank . Prognosen für eine Bodenbildung abzugeben fällt nach seiner Auffassung "schnell in den Rahmen der Spekulation."

Der Abwärtstrend sei seit April letzten Jahres ungebrochen. Das gelte für alle europäischen und US-amerikanischen Börsen. Schlimmer noch: "Die Aktienmärkte sind nach unten offen und die Geschwindigkeit, mit der sie nachgeben, nimmt noch zu", sagt Wagner.

Auch das von zahlreichen Marktteilnehmern vorgebrachte Argument, der Markt sei jetzt überverkauft und die Liquidität würde schon bald wieder in ihn hineinsprudeln, hinkt nach Wagners Auffassung. "Es gibt keinen vernünftigen Grund, momentan kaufen zu wollen, wenn die Kurse am nächsten Tag und in der nächsten Woche äußerst wahrscheinlich günstiger sind."

Überreaktionen bei schlechten Nachrichten führen zur Panik

Für "absolut überverkauft" hält den Aktienmarkt hingegen Horst Frey vom Kant Vermögensmanagement. Nach seiner Auffassung gibt es keinen Anlass für weiter fallende Kurse. Nachrichten wie beispielsweise der Rekord der Unternehmenspleiten in Japan würden vom Markt momentan regelrecht panisch aufgenommen. In einem "regulären" Marktumfeld hingegen würden diese eine vergleichsweise geringere Rolle spielen.

Frey erhofft sich besonders von amerikanischen Frühindikatoren für die Konjunktur und von einer weiteren Zinssenkung der US-Notenbank Fed positive Impulse. Diese Impulse könnten schon in der nächsten Woche kommen: Nach der Vorlage neuer Konjunkturdaten waren heute wieder Spekulationen auf weitere Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed aufgekommen, die zu der zuletzt verzeichneten Erholung an den Börsen maßgeblich beigetragen hatten.

"Viel muss nicht mehr passieren, dass sich der Trend umkehrt", sagt Frey. Daher rechnet er auf 12-Monats-Sicht auch mit einem Plus beim Euro-Stoxx-50 und dem Dax von jeweils 25-30 % im Vergleich zum heutigen Stand. Für die Nasdaq prognostiziert der Kapitalmarktexperte sogar 3 000 Index-Punkte.



Die Einschätzungen der Kapitalmarktexperten reichen weit auseinander. Im Zweifel sollte für den Privatinvestor daher gelten: "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste." Denn wer sein Geld in den vergangenen Monaten auf den Wachstumsmärkten verbrannt hat, sollte nicht schlechtem Geld jetzt gutes hinterherwerfen. Das trifft offenbar fortan auch auf vermeintlich sichere Häfen zu: zahlreiche Standardwerte.

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