Panne verhindert Rekordquote für ZDF
Der TV-GAU und das Stromrätsel

Die Fans vor den Bildschirmen und Großleinwänden der Fußball-Welt trauten ihren Augen nicht: Als es im Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei in die entscheidende Phase ging, war plötzlich für Minuten das Bild weg. Eine peinliche Panne, die möglicherweise ein juristisches Nachspiel haben könnte. Das ZDF überprüft derzeit, ob Ansprüche gegen die Europäische Fußball Union (Uefa) geltend gemacht werden können. Auch die ARD behält sich Schritte vor.

HB HANNOVER. Bei der Live-Übertragung am Mittwoch, die in Deutschland bis zu 32,74 Millionen Fans verfolgten, war das von der Uefa produzierte Weltbild in der zweiten Halbzeit mehrmals wegen eines Stromausfalls im International Fernsehzentrum (IBC) in Wien ausgefallen. Die ZDF-Übertragung, die auch auf den Großbildleinwänden lief, wurde kurz nach 22 Uhr komplett unterbrochen. Etwa drei Minuten später war Reporter Béla Réthy wenigstens per Ton aus Basel zu hören. Erst nach fast sieben Minuten konnten die Zuschauer das Spiel im Stadion wieder auf dem Bildschirm und den Riesenleinwänden verfolgen. Später schaltete sich das Bild noch einmal ab.

Bis auf das Schweizer Fernsehen und den Sender Al-Dschasira empfingen alle übertragenden TV-Anstalten rund sieben Minuten kein Bild mehr. Das ZDF reagierte schnell und strahlte Bilder des Schweizer Fernsehens SF Sport live aus. Die Eidgenossen empfingen ihr Sendesignal als einziger Sender über eine Glasfaser-Direktverbindung unmkittelbar aus Basel, während die anderen Sender über das IBC in Wien bedient wurden. In zahlreichen Ländern dauerte der Blackout bis zu 30 Minuten. Die Uefa konnte am Donnerstag in der täglichen Pressekonferenz noch keine Angaben machen, wie viele Länder exakt wie lange betroffen waren.

Die Panne könnte laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz einen deutschen TV-Rekord verhindert haben. Im Schnitt sahen 29,54 Millionen (81,8 Prozent Marktanteil) die dramatische Partie. Das bedeutet EM-Rekord und Platz zwei in der ewigen TV-Hitliste hinter dem Halbfinale Deutschland - Italien (29,66 Millionen) bei der Heim-Weltmeisterschaft 2006. Fans beim Public Viewing und türkische Zuschauer wurden bei der Ermittlung der TV-Quote nicht erfasst.

"Ich verstehe nicht, warum das Notstromaggregat in Wien nicht funktioniert hat", erklärte Gruschwitz am Donnerstag zu der "ärgerlichsten anzunehmenden Panne". Während des Bildausfalls hatte ZDF-Kommentator Béla Réthy die TV- Zuschauer wie ein Radioreporter per Telefonleitung auf dem Laufenden gehalten. Ton und Bild kamen zwischenzeitlich aber zeitversetzt an. Das zweite deutsche Tor von Miroslav Klose feierte Réthy bereits, als die Fernsehzuschauer den Ball noch gar nicht im Tor sahen.

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