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Pantanos Pech ist Glocks Glück

Montreal (dpa) - Der Aufstieg vom Fahrschüler zum Formel-1- Piloten kam für Timo Glock unverhofft. Mit seinem Renndebüt beim Großen Preis von Kanada erfüllte sich der große Traum des 22 Jahre alten Nachwuchsfahrers schneller als erwartet.

Montreal (dpa) - Der Aufstieg vom Fahrschüler zum Formel-1- Piloten kam für Timo Glock unverhofft. Mit seinem Renndebüt beim Großen Preis von Kanada erfüllte sich der große Traum des 22 Jahre alten Nachwuchsfahrers schneller als erwartet.

«Ich habe nicht damit gerechnet, so schnell ein Formel-1- Rennen zu fahren», sagte Glock. Vor nicht einmal vier Monaten hatte der gelernte Gerüstbauer aus dem hessischen Unterflockenbach erstmals beim Jordan-Team in einem Formel-1-Auto gesessen.

Vor der Qualifikation beförderte Teamchef Eddie Jordan ihn zumindest für das Rennen auf dem Circuit Gilles Villeneuve zum Grand-Prix-Fahrer. «Ich war sehr nervös. Es war sehr viel Rummel und nicht einfach in das Auto zu steigen», sagte der vierte Deutsche im Formel-1-Feld. Die Qualifikation beendete er dann als 16., einen Platz hinter seinem Teamkollegen Nick Heidfeld.



Glocks Glück war Pantanos Pech: Der Italiener, neben Heidfeld bisher zweiter Stammfahrer bei Jordan, musste sein Cockpit räumen - wegen «privater Angelegenheiten», wie das Team offiziell mitteilte. Die genauen Hintergründe blieben unklar: Wahrscheinlich ging es ums Geld. Pantano zählt zu den «Pay-Drivern». Bei ihnen entscheidet weniger fahrerisches Talent als vielmehr die Höhe des Eintrittsgeldes, mit der sie in ein Cockpit steigen dürfen.

Pantano sollte für diese Saison geschätzte 4,5 Millionen Dollar an das finanziell am Abgrund taumelnde Jordan-Team zahlen. Nun blieb scheinbar eine Rate aus. Konsequenz: Eddie Jordan, ständig auf der Jagd nach Geld, reagierte hart und setzte Pantano vor die Tür. «Wenn du in der Formel 1 ein Weichei bist, kommst du da nicht weit», hat Glock die Mechanismen des Business schnell erkannt.

Doch auch für ihn gilt das Motto «Fahren nach Zahlen». Rund 3,6 Millionen Dollar überweist sein Manager Hans-Bernd Kamps aus Dinklage mit einer Reihe von privaten Investoren an den Rennstall, damit Glock an den Freitagen vor den Formel-1-Wochenenden seine «Fahrstunden» nehmen darf. Seit diesem Jahr dürfen die kleinen Teams in den beiden Trainingseinheiten am Freitag ein drittes Auto zu Tests und Marketingzwecken einsetzen.

«Die Investitionen zahlen sich aus», meinte Glock. Ansonsten wehrt er alle Fragen nach Geld und Sponsoren ab. «Sie müssen die Kohle reinholen, ich muss fahren», beschreibt er die Arbeitsteilung mit seinem Management. Gemutmaßt wird, dass auch Jordans Ex-Sponsor «Deutsche Post» Glock bei seinem Weg in die Formel 1 unterstützt.

Seine Motorsport-Vita war vor dem Formel-1-Einstieg kurz. Er begann im Kartsport, durchlief Formel-Klassen und machte 2003 in der Formel-3-Euroserie mit drei Siegen auf sich aufmerksam. Nebenbei arbeitete er weiter im elterlichen Gerüstbau-Betrieb im Odenwald. Für Glock begann die Zeit bei Jordan mit einem spektakulären Unfall gleich bei seinem ersten Test. Mittlerweile passieren ihm solche Missgeschicke nicht mehr: «Ich habe viel mehr Vertrauen zum Auto bekommen.» Kollege Heidfeld lobt: «Er macht seine Sache sehr gut.»

Deutsche Fahrer haben bei Jordan Tradition. Vor Heidfeld und Glock waren auch die Schumacher-Brüder und der mittlerweile in die DTM gewechselte Heinz-Harald Frentzen für Eddie Jordan gefahren. Ob Glocks Beförderung nur auf Zeit ist oder ob er auf weitere Renneinsätze in diesem Jahr hoffen darf, ist noch offen. «Das entscheidet sich mit Sicherheit in der nächsten Woche», sagte er. Auch zum Großen Preis der USA in Indianapolis wird Jordan das Cockpit meistbietend vergeben. Fahrer mit zahlungskräftigen Sponsoren gibt es genug.

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