Panzer rücken vor
Israel bricht Kontakt zu Arafat ab

Israel hat seine Kontakte mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nach der jüngsten Serie von Terroranschlägen abgebrochen. Nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts sagte Justizminister Meir Scheetrit am Donnerstagmorgen vor der Presse, Israel habe aber keine Absicht, Arafat zu töten.

rtr JERUSALEM. Das Kabinett machte in einer Erklärung Arafat "für die Serie von Terroranschlägen direkt verantwortlich". Zugleich wurden Militäroperationen in den Palästinenser-Gebieten angekündigt, um militante Palästinenser zu verhaften und Waffen sicher zu stellen. In der Nacht zum Donnerstag griff die israelische Luftwaffen zahlreiche Ziele im Gaza-Streifen und Westjordanland an; dabei offenbar auch demonstrativ in der Nähe von Arafats Hauptquartieren in Ramallah und Gaza-Stadt.

Scheetrit sagte zu den Entscheidungen des Sicherheitskabinetts, das nach dem Anschlag auf einen israelischen Bus sowie zwei weiteren palästinensischen Selbstmordattentaten am Mittwoch zusammen getreten war, Arafat habe für Israel als Partner keinen Wert mehr. "Wir haben keine Absicht, Arafat zu fassen, Arafat zu töten oder ihn zu verletzen." Arafat sei für Israel nicht länger relevant und "es wird keinen Kontakt mehr zu ihm geben", beschloss das Kabinett.

Zudem sollen schnell israelische Streitkräfte für Operationen im Westjordanland und dem Gaza-Streifen eingesetzt werden, um Verhaftungen vorzunehmen und Waffen zu beschlagnahmen, wie weiter mitgeteilt wurde. Auch sei der Chef der Streitkräfte angewiesen worden, eine Reihe - nicht näher dargelegter - Militäroperationen auszuführen, die auf der Sitzung erläutert worden seien, erklärte Scheetrit weiter. Die Armee habe den Auftrag, die "Terror-Infrastruktur zu zerstören". Israel werde dabei alles tun, um unschuldige Palästinenser zu schonen, erklärte der Minister weiter.

Die drei Bus-Attentäter - bei dem Anschlag waren am Mittwoch zehn Israelis getötet und über 30 verletzt worden - hätten auf der Liste mit 33 Namen gestanden, die Arafat überreicht worden sei, um entsprechende Verhaftungen vorzunehmen, sagte Scheetrit. Arafat könne jetzt im Friedensprozess kein Partner mehr sein. "Und wir können uns nur noch auf uns selbst verlassen." Israel hat Arafat mehrfach vorgeworfen, nicht gegen militante Palästinenser durchzugreifen.

Mit Vergeltungsschlägen reagierte Israels Luftwaffe in der Nacht zum Donnerstag auf Ziele in den Palästinenser-Gebieten. Israels Armeesprecher Ron Kitrey sagte, die Palästinenser hätten alle Grenzen überschritten. In Gaza-Stadt verließen Palästinenser in Panik ihre Häuser. In Gaza-Stadt wurde auch ein Stützpunkt der palästinensischen Sicherheitskräfte unweit des Hauptquartiers von Arafat angegriffen. Nach palästinensischen Angaben wurden etwa 30 Menschen verletzt. In Ramallah tauchten israelische Kampfhubschrauber in der Nähe von Arafats anderem Hauptquartier auf und beschossen nach Augenzeugenberichten einen Sendemast.

Israelische Panzer beschossen am Donnerstagmorgen nach Augenzeugenberichten im Westjordanland einen palästinensischen Kontrollposten in Ramallah. Nach weiteren Berichten drangen Panzer im Gaza-Streifen in das palästinensische Flüchtlingslager Rafah vor. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

US-Außenamtssprecher Richard Boucher sprach in Washington von schrecklichen Angriffen der Palästinensern. Er forderte Arafat auf, die Schuldigen unverzüglich festzusetzen. Die Palästinenser-Regierung erklärte, alle Einrichtungen der radikal-islamischen Organisationen Hamas und Heiliger Dschihad würden geschlossen. Davon betroffen seien Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Büros der politischen Arbeit.

Boutcher sagte, der US-Nahostsonderbeauftragte Anthony Zinni werde solang weiter in der Region bleiben, wie beide Seiten an einer Waffenruhe interessiert seien. Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo sagte, die USA müssten intervenieren, um den umfassenden Krieg gegen das Palästinenser-Gebiet zu beenden.

Bei den seit über einem Jahr andauernden Gewalttätigkeiten sind mindestens 764 Palästinenser und 223 Israelis getötet worden.

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