Papier war am Montag begeben worden
Gerresheimer zieht Hochzinsanleihe zurück

Der Spezialglashersteller Gerresheimer Glas hat am Mittwoch nach Angaben aus Bankenkreisen wegen schlechter Marktbedingungen seine am Montag begebene Hochzinsanleihe über 125 Mill. ? zurückgezogen.

Reuters FRANKFURT. "Wir erwägen zurzeit nicht, in Kürze wieder an den Markt heranzutreten, aber wir schließen es sicherlich nicht aus", erfuhr Reuters am Mittwoch aus Bankenkreisen. Das Papier mit einer Laufzeit von neun Jahren war am Montag begeben worden. Für Dienstag hatten Gerresheimer und die Konsortialbanken geplant, die Konditionen für die Anleihe (Pricing) festzugelegen. Angestrebt worden war früheren Angaben aus Kreisen zufolge eine Rendite von rund 11,5 %. Einige Händler zeigten Unverständnis für die überraschende Entscheidung. "Ich verstehe überhaupt nicht, warum sie die Transaktion abgeblasen haben. Es hat sich doch nichts geändert, seitdem sie angekündigt haben, dass sie kommt", sagte ein Händler bei einer Bank, die nicht an der Emission beteiligt war.

Ursprünglich hatte das Papier bereits im Juli - damals noch mit einem Volumen von 150 Mill. ? - am Kapitalmarkt platziert werden sollen. Auf Grund der hohen Volatilität an den internationalen Finanzmärkten war die Emission aber verschoben worden.Vor dem Sommer hatten mehrere Unternehmen ihren Gang an den Kapitalmarkt verschoben, nachdem Bilanzskandale in den USA Turbulenzen an den Märkten ausgelöst hatten. Konsortialführer bei der Gerresheimer-Transaktion sind JP Morgan und Goldman Sachs. Die langfristigen Verbindlichkeiten von Gerresheimer werden von der Ratingagentur Standard & Poor's mit der Note "B" bewertet, Moody's stuft die Anleihen auf "B3" ein - also fünf beziehungsweise sechs Stufen im spekulativen Bereich ("junk").

Bei den Hochverzinslichen hatten Marktteilnehmer mit Spannung auf das Papier von Gerresheimer gewartet. Im Hochzins-Sektor wird bis Weihnachten mit einem Emissionsvolumen von insgesamt vier Mrd. ? gerechnet.In Deutschland richtet sich der Blick nach der Absage von Gerresheimer auf andere deutsche Emittenten, die vor dem Sommer ihren Gang an den Kapitalmarkt verschoben hatten. Diese gehören aber nicht in den Hochzinsbereich.

Im Juni hatten auch die Deutsche Post und Bertelsmann Anleihen begeben wollen, die Emissionen aber nach den Bilanzskandalen in den USA auf Eis gelegt. Seitdem wagen sich deutsche Unternehmen kaum an den Kapitalmarkt. Einzig Volkswagen hatte Ende August eine Anleihe begeben, und zwar erfolgreich. Das Volumen war mit 1,5 Mrd. ? höher ausgefallen als erwartet. Die an den Märkten dadurch geweckte Hoffnung auf mehr Emissionen wurde aber bislang enttäuscht. Nur die Post scheint in der kommenden Woche ihre Transaktion über mindestens eine Milliarde Euro mit einer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren nachholen zu wollen. Eine Roadshow begann am Montag und soll bis zum Freitag gehen.

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