Papiere haben seit Jahresbeginn 50 Prozent zugelegt
Ebays Erfolg hält Anleger bei der Stange

Die Entscheidung kam selbst für Patentanwälte und Marktexperten überraschend: Zu einer Zahlung von 35 Mill. Dollar Schadensersatz verurteilte ein US-Geschworenengericht das Internetauktionshaus Ebay in der vergangenen Woche. Die Börsianer übten aber demonstrative Gelassenheit.

NEW YORK. Die Firma Merc-Exchange hatte gegen das kalifornische Unternehmen geklagt, weil dieses Ideen von Merc-Exchange-Firmengründer Thomas Woolston ohne Erlaubnis und Bezahlung genutzt habe. Die Schadensersatzsumme könnte sich sogar noch um das Dreifache erhöhen, weil die Geschworenen befanden, dass Ebay bei seinem Patentverstoß vorsätzlich gehandelt habe.

Doch der Aktien des Onlineauktionshauses scheinen die rechtlichen Schwierigkeiten bislang nicht zu schaden. Im Gegenteil: Nach der Urteilsverkündung erreichte der Kurs mit mehr als 103 Dollar zwischenzeitlich einen neuen Jahreshöchststand; die Aktie notiert zurzeit etwa 50 % höher als noch zu Jahresbeginn. Seit dem vergangenen Oktober, als die Titel bei nur 50 Dollar gehandelt worden waren, hat sich der Preis damit innerhalb von acht Monaten mehr als verdoppelt.

"Das Urteil ist eindeutig eine Überraschung, und zwar eine für Ebay negative, aber das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen", sagt etwa Analyst Mark Rowen von Prudential Financial, der zurzeit zum Kauf der Aktie rät. Denn Ebay will in Berufung gehen und die Aussetzung des Urteils beantragen. Daneben ist auch eine außergerichtliche Einigung denkbar, sowie sie der Onlinebuchhändler Amazon im vergangenen Jahr bei einem ähnlichen Patentstreit mit seinem Konkurrenten Barnesandnoble.com erzielt hatte.

Ein weiterer Grund für die aktuelle Sorglosigkeit der Investoren: Das Urteil bezieht sich nicht auf Ebays Versteigerungsgeschäft selbst, mit dem sich das Unternehmen einen Namen gemacht hat und die den größten Teil des Umsatzes ausmachen, sondern betrifft lediglich die Festpreisgeschäftsbereiche "Half.com" und "Buy it now". Die Analysten großer US-Investmenthäuser zeigen sich daher noch nicht beunruhigt über den Auswirkungen des Gerichtsentscheids: "Selbst wenn das Verfahren mit dem schlimmsten anzunehmenden Szenario endet, wird Ebays Betrieb weiterhin gesund und solide bleiben, und die Geschäftsaussichten glänzend", lobt Analyst Rowen.

Andere Experten teilen seine positive Ansicht: "Ebay hat immer noch zahlreiche Hebel zur Verfügung, die in den kommenden Quartalen das Wachstum antreiben", sagt Jeetil Patel von Deutsche Bank Securities. "Dazu zählen unter anderem die profitablen internationalen Märkte und die umfangreiche Nutzergemeinschaft. Diese Vorteile sollten während des gesamten Jahres für Antrieb sorgen." Patels Schätzungen zufolge hat sich die Anzahl der Produkte, die Ebay-Nutzer in den ersten Wochen des laufenden Quartals zum Verkauf angeboten haben (Listings), im Jahresvergleich um fast 60 Prozent erhöht. "Diese Listings sind zwar nur eine Komponente der Wachstumsstrategie, aber sie bieten doch einen guten Einblick in die Geschäftstrends bei Ebay", erklärt der Analyst.

Ein wachsames Auge sollten Anleger allerdings auf die hohe Bewertung der Titel haben, warnen einige Experten. Zwar fielen die Gewinne des vergangenen Quartals mit 36 Cent je Aktie erneut höher aus, als von Beobachtern erwartet, und noch im April hob Ebay die Umsatzprognose für das Gesamtjahr um 150 Mill. auf rund 2,1 Mrd. Dollar an. Doch schon jetzt liegt das Kurs-GewinnVerhältnis (KGV) bei etwa 100 - fast viermal so hoch wie der Wert von 28 für Aktien des Softwaregiganten Microsoft. Und ein Ende des Anstiegs ist noch nicht in Sicht: Heath Terry, Wertpapierexperte bei Credit Suisse First Boston (CSFB), rechnet etwa damit, dass sich der Kurs in den nächsten zwölf Monaten um zehn bis 15 Prozent besser entwickelt als der breite Marktsektor. Die Zwölfmonatskursziele vieler großer Banken für die Ebay-Aktie liegen weiterhin deutlich über 100 Dollar.

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