Papiere legten deutlich zu
Daimler-Chrysler-Aktie stoppt den freien Fall

Der gebeutelte Autokonzern gehörte am Freitagmittag zu den Kursgewinnern. Die Daimler-Chrysler-Papiere legten um 4,57 Prozent auf 46,02 Euro zu. Indes fordert eine Aktionärsgruppe den sofortigen Rücktritt von Konzernchef Jürgen Schrempp.

dpa-afx FRANKFURT/STUTTGART. Trotz einer Rückrufaktion hat die arg gebeutelte Daimler-Chrysler-Aktie am Freitag bis gegen 14.15 Uhr deutlich um 4,57 Prozent auf 46,02 Euro zugelegt. Das Unternehmen hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass Fahrzeuge der US-Tochter Chrysler in die Werkstätten zurückgerufen werden müssen. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge der Modelle Dodge, Plymouth und Chrysler Minivan der Baujahre 1993 und 1994. Hier können Probleme mit dem Lenkrad auftreten. Der Konzern wolle das Lenkrad verstärken. Der Deutsche Aktienindex Dax gewann parallel 2,17 Prozent auf 6 510 Zähler.

Der Analyst Klaus Weiermann von der WGZ-Bank wertet die Gewinne der Daimler-Chrysler-Aktie als normale Gegenbewegung nach den Verlusten der vergangenen Tage. Eine Bodenbildung für den Titel erwartet der Experte bei einem Kurs von etwa 45 Euro. Die Unsicherheit auf dem Markt sei derzeit recht groß. Deutliche Zugewinne der Aktie seien vor der von Daimler-Chrysler angekündigten Bestandsaufnahme bei Chrysler und der Bekanntgabe konkreter Sanierungsmaßnahmen nicht zu erwarten. Die Anleger wollten Fakten sehen, sagte Weiermann.

Andere Analystenstimmen betonten ebenfalls die starke Verunsicherung bezüglich des Titels. Die Krise werde am Markt unterschiedlich gewertet. Es könne Ausschläge in beide Richtungen geben. Spannend werde es erst, wenn Belege für eine glaubwürdige Sanierung vorlägen. Die Nachricht, dass die Entwicklungskosten für neue Chrysler-Modelle um 25% zurückgefahren würden, habe allein eher keinen oder nur geringen Kurseinfluss, sagte ein Analyst.

Aktionärsgruppe fordert Schrempps Kopf

Indes hat die Gruppe der Kritischen Aktionärinnen Daimler-Chrysler (KADC) hat den sofortigen Rücktritt von Konzernchef Jürgen Schrempp gefordert. Durch die Talfahrt der Aktie sei der Autokonzern "zum Übernahmekandidaten degradiert", teilte der linksgerichtete Aktionärsverband am Freitag in Stuttgart mit. Tausende von Arbeitsplätzen seien "massiv gefährdet". Der KADC forderte Schrempp auch zur Rückzahlung seines Gehalts aus den vergangenen zwei Jahren auf.

Der KADC-Sprecher und Schrempp-Biograf Jürgen Grässlin verwies darauf, dass der ökologisch und rüstungskritisch orientierte Verband bereits 1998 gegen die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler gestimmt habe. "Es ist erstaunlich, wie naiv das US-Management in Auburn Hills und auch Kirk Kerkorian in den USA ins Verderben gerannt sind und dem damaligen Gerede von der Hochzeit im Himmel geglaubt haben", sagte Grässlin. Der Zusammenschluss müsse nun wieder rückgängig gemacht werden.

Die KADC hat nach Angaben von Grässlin keine Mitglieder, wird aber von bis zu 80 Organisationen und mehreren tausend Einzelaktionären unterstützt. Der amerikanische Großaktionär Kirk Kerkorian verklagt Daimler-Chrysler auf insgesamt 8 Mrd. Dollar Schadenersatz. Der 83-Jährige wirft Vorstandschef Jürgen Schrempp vor, den Zusammenschluss der Autobauer 1998 fälschlicherweise als "Fusion von Gleichen" bezeichnet zu haben. Stattdessen hätte Daimler-Benz von Anfang an den Plan gehabt, Chrysler in den deutschen Konzern zu übernehmen.

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