Papiere verlieren mehr als zehn Prozent
ProSiebenSat.1-Aktien brechen ein

Wegen der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia muss der TV-Konzern ProSiebenSat.1 jetzt die von Anlegern seit Jahren geforderte Umwandlung der stimmrechtlosen Vorzugsaktien in die attraktiveren Stammaktien auf unbestimmte Zeit verschieben. Der Aktienkurs der ProSiebenSAT.1 AG brach zeitweise um 14 Prozent ein.

dpa MÜNCHEN. Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 kann sich dem Strudel der Kirch-Krise nicht länger entziehen. Wegen der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia musste das Unternehmen jetzt die von Anlegern seit Jahren geforderte Umwandlung der stimmrechtlosen Vorzugsaktien in die attraktiveren Stammaktien auf unbestimmte Zeit verschieben. "Wir bedauern das sehr", sagte ein ProSieben-Sprecher am Mittwoch in München. Der Aktienkurs der ProSiebenSatT.1 AG (München) brach um zeitweise 14 Prozent auf 9,20 Euro ein.

ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner hatte in den vergangenen Wochen immer wieder beteuert, der TV-Konzern sei von dem Insolvenzantrag der KirchMedia nicht direkt betroffen. Bereits zuvor hatten ProSiebenSat.1 und KirchMedia ihre geplante Fusion wegen der ungewissen Lage im Hause Kirch abgesagt. Die Aktionäre feierten damals den gescheiterten Zusammenschluss mit einem Kursfeuerwerk. Seit dem Börsengang 1997 galt die Nähe zu Kirch bei manchen Analysten als eher abschreckend. Mit der Umwandlung der Vorzugsaktien wäre die Dominanz der KirchMedia weiter reduziert worden.

Derzeit hält die KirchMedia 88,52 Prozent der für die Unternehmensführung allein wichtigen Stammaktien. Der Rest gehört dem Springer-Verlag und sollte ursprünglich auch noch an Kirch gehen. An der Börse notiert sind allein die stimmrechtlosen Vorzugsaktien. Davon sind 72 Prozent im Streubesitz. Bei einer Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien hätte Kirch noch eine knappe Mehrheit besessen.

Die KirchMedia hatte der Umwandlung Anfang des Jahres zugestimmt. Die neue Geschäftsführung der insolventen Gesellschaft legte nun aber ihr Veto ein. Die Interessen der Gläubigerbanken und der Investoren könnten verletzt werden. "Man kann die Position nachvollziehen", sagte der ProSiebenSat.1-Sprecher. Schließlich kann es sein, dass Investoren bei einem Einstieg lieber die nahezu volle Kontrolle über den Konzern haben wolle.

Die Börse reagierte aber verschnupft. "Darauf hatten vor allem die englischen und angelsächsischen Investoren gesetzt", sagte Analyst Marc Röhder von der HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Experten von Merrill Lynch stuften ihre mittelfristige Einschätzung der Aktie von "Neutral" auf "Reduzieren". Die Analysten zeigten sich besorgt, ProSiebenSat.1 könne von den Gläubigern der KirchMedia genötigt werden, einen Teil ihrer Vermögenswerte und der dazugehörigen Schulden zu übernehmen.

Die Anleger sind schlechte Nachrichten ohnehin gewohnt. Die Werbeflaute, unter der die gesamte Branche leidet, hat auch ProSiebenSat.1 schwer erwischt. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres brach der Gewinn vor Steuern weiter von 28,6 auf 8,5 Millionen Euro ein. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 489,3 Millionen Euro.

Trotz der schlechten Nachrichten dominiert im Unternehmen selbst der Optimismus. Schließlich sind alle Experten überzeugt, dass die profitable Sendergruppe weiter bestehen wird. Es gibt eine Reihe von Interessenten für eine Übernahme des TV-Konzerns. Zudem hat die neue Geschäftsführung der KirchMedia betont, dass ProSiebenSatT.1 und der Rechtehandel als Ganzes erhalten bleiben sollen. "Man kann an sich recht zuversichtlich sein", sagte der ProSiebenSat.1-Sprecher. "Die Stimmung bei den Mitarbeitern ist sehr gut."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%