Papiererzeugende Industrie einigt sich auf 3,3 Prozent mehr Lohn
Alle IG-Metall-Bezirke stimmen für Streik

Nach Baden-Württemberg geben sich auch die anderen IG kämpferisch. Die Arbeitgeber beraten am Dienstag, wie sie auf Streiks reagieren sollen. Auf Aussperrungen wollen sie verzichten.

BERLIN. Die Tarifbezirke der IG wetteifern um das Mandat zum Arbeitskampf. Nach Baden-Württemberg erklärten am Montag auch alle anderen Bezirke die Verhandlungen für gescheitert und beantragten die Urabstimmung über einen Streik. "Die Kollegen sind hoch motiviert, einen Arbeitskampf zu führen", sagte der Sprecher der IG Niedersachsen, Jörg Köther. Nordrhein-Westfalens IG Wolfgang Nettelstroth betonte: "Die IG in NRW hat bereits ein Streikkonzept". Bayerns IG Werner Neugebauer rechnet mit einer langen Auseinandersetzung: "Wer in einen Arbeitskampf geht und ihn zeitlich begrenzt, hat schon verloren."

Am Dienstag will der Bundesvorstand der IG in Frankfurt entscheiden, welcher Bezirk für die Urabstimmung den Zuschlag bekommt. Als sicher gilt bisher nur Baden-Württemberg, wo die IG traditionell besonders gut organisiert ist. Ob andere Bezirke hinzukommen und welche das sein werden, blieb gestern unklar.

Auch der Vorstand des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall berät in Frankfurt das weitere Vorgehen. Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, ob Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser das Mandat für eine letzte, kurzfristige Erhöhung das Arbeitgeberangebots erhält, bevor die IG voraussichtlich am Donnerstag mit der Urabstimmung beginnt. Denn dann stehen die Chancen für einen letzten Einigungsversuch vor dem Beginn des Arbeitskampfs am 6. Mai schlecht. IG Jürgen Peters hat Verhandlungen zwischen Urabstimmung und Streikbeginn ausgeschlossen.

Computergestützter Arbeitskampf

Die IG plant kürzere Streiks von einem oder mehreren Tagen, die abwechselnd Zulieferer und Endproduzenten treffen sollen. Zum Einsatz kommt dabei ihr computergestütztes "Arbeitskampfinformationssystem" (Arkis), das detailliert Auskunft gibt über die Produktionsverflechtungen in der Metall- und Elektroindustrie.

Die Arbeitgeber wollen auf die Streiks generell nicht mit Aussperrungen reagieren. Ausnahmen soll es nur für Betriebe geben, die durch den Streik in ihrer Existenz bedroht sind, damit diese dann vom Arbeitgeberverband finanziell unterstützt werden können. Der letzte große Arbeitskampf in der Metallindustrie 1995 hatte mit einem für die Arbeitgeber extrem teuren Abschluss geendet. Es sah zwei kurz aufeinander folgende Lohnerhöhungen von 3,4 und 3,6 % vor sowie eine Pauschale von 150 DM und einen Lohnausgleich bei der Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden.

Die 50 000 Beschäftigten der papiererzeugenden Industrie in Westdeutschland bekommen ab April 3,3 % mehr Gehalt. Für März erhalten sie eine Pauschale von 75 Euro. Darauf einigten sich die Gewerkschaft BCE und die Arbeitgeber.

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Groß- und Einzelhandels in Baden-Württemberg und Hessen wurden dagegen ergebnislos vertagt. In Baden-Württemberg boten die Arbeitgeber für dieses Jahr eine Tariferhöhung um 1,7 % sowie für die Jahre 2003 und 2004 eine weitere einmalige Erhöhung von zwei Prozent an. Die Gewerkschaft Verdi fordert 6,5 % und die Schaffung einer Pensionskasse.

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