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Papst machte Druck: Bischof nach Sexskandal zurückgetreten

Auf Druck des Papstes ist der umstrittene österreichische Bischof Kurt Krenn (68) wegen eines Sexskandals am Priesterseminar in St. Pölten zurückgetreten. Studenten des Seminars in seiner Diözese hatten tausende Fotos mit Pornografie und Kinderpornografie aus dem Internet heruntergeladen.

dpa WIEN/ROM. Auf Druck des Papstes ist der umstrittene österreichische Bischof Kurt Krenn (68) wegen eines Sexskandals am Priesterseminar in St. Pölten zurückgetreten. Studenten des Seminars in seiner Diözese hatten tausende Fotos mit Pornografie und Kinderpornografie aus dem Internet heruntergeladen.

Der Fall hatte im Juli wochenlang für Schlagzeilen gesorgt. In Österreich wurde Krenns seit Wochen erwarteter Rücktritt mit Erleichterung aufgenommen. Der Bischof war bereits im Juli vom Vatikan entmachtet worden.

In Rom wurde der Rücktritt zunächst offiziell nicht bestätigt. Krenn gab jedoch zu, dass er sein Amt "auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes" niedergelegt habe. Die österreichische Bischofskongregation wird sich bereits am morgigen Freitag mit dem Rücktritt befassen. Unbekannt ist, ob Papst Johannes Paul II. bereits einen Nachfolger für den kranken Krenn ernannt hat.

Im Juli hatte er den Vorarlberger Bischof Klaus Küng mit der Übernahme der Amtsgeschäfte und der Untersuchung der Vorgänge in St. Pölten beauftragt. Vor drei Wochen war Krenn im Vatikan ein Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" nahe gelegt worden, was der Bischof jedoch abgelehnt hatte.

Der Sexskandal war Anfang Juli durch Presseberichte aufgedeckt worden. Danach hatte die Polizei bereits im November 2003 auf Computern des Seminars zehntausende pornografischer Fotos sowie Kinderpornografie aus dem Internet entdeckt. Das Nachrichtenmagazin "Profil" veröffentlichte Fotos, die sexuelle Kontakte zwischen den beiden Seminarleitern und Priesterstudenten zeigten. Die beiden aus Deutschland stammenden Seminarleiter traten daraufhin zurück, das Seminar wurde am 12. August geschlossen. Ein Priesterstudent wurde inzwischen wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Während Vertreter der österreichischen Bischofskonferenz zunächst keine Stellungnahme zum Rücktritt Krenns abgeben wollten, gab sich die christliche Vereinigung "Wir sind die Kirche" über den Rücktritt "erleichtert". Mit Krenns Demission werde "ein wichtiger und unvermeidlicher erster Schritt für die Erneuerung in der Diözese St. Pölten gesetzt", hieß es in einer Stellungnahme. "Viele Menschen in und außerhalb der Diözese St. Pölten atmen auf und können nach langen Jahren endlich wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen."

Der ehemalige Erzbischof von Ravenna (Italien), Ersilio Tonini, sprach ebenfalls von einem "wichtigen Schritt". Allerdings nahm er Krenn gleichzeitig in Schutz: "Ein Bischof ist ein Mensch und kein Stein", meinte er. Krenn habe bestimmt "einen Zustand tiefen Unbehagens erlebt".

Krenn sagte dem "Standard" vom Donnerstag wörtlich: "Ja, ich bin zurückgetreten und ab sofort Altbischof von St. Pölten". Der Bischof, der schon seit Beginn seiner Amtszeit vor mehr als 13 Jahren wegen seiner Amtsführung kritisiert wurde, war zuvor vom Papst in den Vatikan zitiert worden.

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