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Papst ruft zu Vergebung auf

Papst Johannes Paul II. hat in seiner Weihnachtsbotschaft zu größeren Anstrengungen für den Frieden sowie zu Dialog und Versöhnung aufgerufen. Besonders verwies er auf die Leiden der Menschen in Afrika, im Irak und im Nahen Osten.

dpa ROM/HAMBURG. Papst Johannes Paul II. hat in seiner Weihnachtsbotschaft zu größeren Anstrengungen für den Frieden sowie zu Dialog und Versöhnung aufgerufen. Besonders verwies er auf die Leiden der Menschen in Afrika, im Irak und im Nahen Osten.

In Deutschland appellierten katholische und evangelische Bischöfe in ihren Weihnachtspredigten an die Menschen, mehr Solidarität zu zeigen und weniger materiell zu denken. Für einen tabulosen Dialog mit Muslimen sprachen sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, und der Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" aus.

"Ich denke an Afrika, an die Tragödie in Darfur im Sudan, an die Elfenbeinküste und die Region der großen Seen. Voll reger Sorge verfolge ich die Ereignisse im Irak", sagte der Papst vor Zehntausenden Menschen, die trotz Regens am Samstag auf den Petersplatz gekommen waren. Die christliche Botschaft des Friedens solle helfen, dass "die vielen Formen grassierender Gewalt, die Ursache unbeschreiblicher Leiden sind, ein Ende finden". Auch könne sie in der ganzen Welt zu "Anstrengungen um Dialog und Versöhnung" ermutigen. Dem traditionellen Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) fügte der schwer kranke 84-Jährige unter großer Anstrengung Weihnachtsgrüße in 62 Sprachen hinzu. Auf Deutsch sagte er: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschheit, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade. Sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!".

Trotz seiner Leiden hatte der Papst auch die Mitternachtsmesse am Heiligabend im Petersdom gefeiert, es war seine 27. Christmesse seit seinem Amtsantritt 1978. Das Fernsehen übertrug den Gottesdienst in 72 Länder, darunter auch in mehrere islamische Länder wie etwa die Türkei und Indonesien.

Gegen Naivität und Tabus im Umgang zwischen Christen und Moslems wandten sich Kardinal Lehmann und Bischof Huber in dem Zeitungsgespräch. "Wir dürfen im innerreligiösen Dialog die schwierigen Themen nicht ausblenden und unseren muslimischen Gesprächspartnern kritische Anfragen auch nicht ersparen", sagte Lehmann. So müsse man fragen, wie der Islam zu den Menschenrechten und zum modernen freiheitlichen Staat stehe, und wie es um die Rechte anderer Religionen in islamisch dominierten Ländern bestellt sei. "Nur wo diese Fragen auf den Tisch kommen und nicht aus bloßer Höflichkeit oder Verzagtheit verschwiegen werden, kann der interreligiöse Dialog Substanz gewinnen."

Nach Ansicht Hubers müssen "Differenzen ausgehalten und ausgetragen werden". "Hier gibt es bei muslimischen Gruppen in Deutschland noch beträchtliche Defizite." Ein Schlüsselthema sei das Verhältnis von Religion und Gewalt. Gerade weil die christlichen Kirchen hier einen schmerzhaften Lernprozess durchlaufen hätten, müssten sie den Muslimen Klarheit abverlangen.

In seiner Weihnachtspredigt rief Lehmann die Deutschen auf, endlich zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft zu werden. "Es ist eine Schande in unserer Gesellschaft, wie viele Kinder an den Grenzen der Armut oder darunter leben", sagte der Mainzer Bischof am Samstag. Zu einer kinderfreundlichen Politik gehöre auch eine Belohnung der Eltern, "die den Mut und die Kräfte aufbringen, zu Kindern Ja zu sagen". Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner beklagte, dass immer weniger Kinder geboren würden: "Wir feiern heute die Geburt des göttlichen Kindes, und unser Volk hat immer weniger Kinder!".

Eine bessere Integration von Ausländern verlangte der EKD- Vorsitzende Huber, in seiner Predigt am Heiligen Abend im Berliner Dom. Vielen Menschen, die Zuflucht suchten, sollte zugestanden werden, hier dauerhaft zu leben. "Wer bleiben darf, gehört dazu. Eine Bleibe zu haben, heißt, zur Integration bereit zu sein." Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann warnte vor sozialer Kälte. Die Welt sei ein Ort der Verlorenen, "wo jede Form des Mitleidens, des Engagements füreinander, in Kälte und Raffgier erstarrt". Wenn Weihnachten auf "ein bisschen Kitsch, ein bisschen Lichterglanz, schönste Harmonie" reduziert sei, werde es "verscherbelt im aktuellen deutschen Geizwahn".

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