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Papst & Kuchen

Der Kölner an sich feiert, was es zu feiern gibt. Auch wenn er verwundert ist, dass was er gerade feiert von anderen gefeiert wird. Wie der Papstbesuch. Nein, ich war nicht auf dem Presseboot.

Der Kölner an sich feiert, was es zu feiern gibt. Auch wenn er verwundert ist, dass was er gerade feiert von anderen gefeiert wird. Wie der Papstbesuch.



Nein, ich war nicht auf dem Presseboot. Da, wo Harald Schmidt "hören durfte, was wir nicht sehen" und sich Journalisten gegenseitig interviewten.

Ich war eingeladen zu Papst und Kuchen von der Kölner Finanzberatung CPM, die ihr Büro, Balkon eingeschlossen, direkt am Rheinufer, gegenüber der Wiese hat, an der Benedikt XVI. seine Schiffsrede hielt.

Ein wenig war es wie Karneval, nur dass die jungen Menschen in Zügen, an Bahnsteigen, am Rheinufer keine Schminke im Gesicht hatten und nur deshalb nicht zu verstehen waren, weil sie anderer Nationalität waren, nicht weil Alkohol im Spiel war..



"Den Kölner erkennst Du im Moment daran, dass er mit offenem Mund die Pilger anstarrt, weil er sich nicht vorstellen kann, dass jemand außerhalb von Karneval seine Stadt besuchen will. Die Pilger erkennst Du schon daran, dass sie bei einer roten Ampel auf jeden Fall stehen bleiben", wies mich gleich eine Bekannte ein.

In der Tat. Hier sehen wir links Pilger und rechts Kölner - kein Scherz:

Sehr unterhaltsam auf dem Weg zum Rheinufer war aber auch die ukrainische Teenagergruppe, die trainierte, auf Deutsch "Wir sind aus Spanien" zu sagen.

Auch auf dem Balkon von CPM wurde reichlich gewitzelt. Über die Sicherheitsvorschriften (keine aus dem Gebäude ragenden Gegenstände, keine Kameras, keine Ferngläser, dies könne "die Sicherheitskräfte irritieren und zu sofortigen Maßnahmen führen".) und über die Proben, die seit Tagen liefen: Zufällig vorbei tuckernde Lastschiffe wurden da von Polizeischiffen und GSG-Schlauchbooten in die Mitte genommen und durch Köln geleitet.

Der Chef vom Kölner Kaufhof war auch da und hatte den Renner der vergangenen Tage mitgebracht:

2000 Stück hat der Kaufhof vom Johannes-Paul-Lolly abgesetzt, Benedikt ging besser als T-Shirt, 1500 gingen weg.

Doch auch der letzte Zyniker (ja, ich auch), wurde still, als der Katamaran des Papstes sich unter der Südbrücke durchschob und die Masse aus hunderttausenden Menschen und Fahnen einen Jubel-Orkan über den Fluss schickte.

Von der Rede bekamen wir nur etwas mit, weil der Fernseher lief, der Papst blieb ein kleines weißes Männchen in hundert Meter Entfernung. Die Presseschiffe übrigens hielten erst gar nicht gemeinsam mit dem Papst-Boot - sie fuhren gleich weiter.

Nach 40 Minuten war alles vorbei. Irgen dwann später lieferten die GSG-Truppen noch eine kleine Schlauchboot-Show und tobten sich bei voller Geschwindigkeit aus. Eine schöne Szene dann aber, als drei VIP-Schiffe auf dem Rückweg wieder unsere Höhe erreichten. Eines der GSG-Schlauchboote beendet seine Spaß-Fahrt, ging längsseits, ein paar Bischöfe und Kardinäle kamen nach unten und segneten die Sicherheitsleute.

Zurück am Hauptbahnhof wieder Karneval pur: Tanzende Menschen, erschöpfte Jugendliche mit blassen Gesichtern auf dem Bordstein, die Züge überfüllt, irgendwer sang mit Akzent "Viva Colonia".

Heute morgen in der Redaktionskonferenz wies ein Kollege auf die Abschlussmesse hin, "mit bis zu einer Million Gläubiger". Nein, keine Gläubiger, ist meine Vermutung - mit bis zu einer Millionen Teilnehmern. Und viele werden froh sein, wenn es mal etwas ruhig wird.

Andere werden traurig sein, dass es vorbei ist...

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