Paradigmenwechsel ist im Gange
"Mobile E-Business" – eine Erfolgsgeschichte ?

Die derzeit durch Studien festgestellte Abnahme des Interesses gegenüber "Mobile E-business" verwundert nicht angesichts der sehr eingeengten Diskussion, die auf Lösungen für Mobiltelefone und elektronische Organizer fokussiert ist. "Mobile E-business" geht weit darüber hinaus und wird innerhalb der nächsten Jahre die Art und Weise, wie Unternehmen ihr Geschäft betreiben, entscheidend beeinflussen. Eine "mobile E-business Strategie" ist dringend erforderlich.

Die Krise ist hausgemacht

Die in der Öffentlichkeit bisher wahrgenommene Entwicklung des "Mobile E-Business" bleibt auf die technischen Schlagworte WAP, GPRS und UMTS beschränkt und mündet in der Skepsis, ob jemals tragfähige mobile Geschäftsmodelle entwickelt werden können. Dies wird unterstützt durch die bisher wenig genutzten Angebote im WAP-Umfeld, die Informationen anbieten, auf welche über andere Kanäle (Radio, Fernsehen und Internet via PC) weitaus schneller zugegriffen werden kann. Die Erwartungen waren durch den Erfolg des E-Business hoch gesteckt, die verspätete Einführung von GPRS, die Schwierigkeiten bei dem Aufbau der ersten UMTS-Pilotnetze und die geringen Umsätze bei mobilen kommerziellen Anwendungen dämpfen jedoch die euphorischen Erwartungen an das mobile Zeitalter. Dabei fehlt es nicht an ausgereiften Lösungen: Neben den Neuerungen im Mobilfunk, sind z.B. drahtlose Firmen-Netze (Wireless LAN), IP-fähige Sensoren und Bauteile für intelligente Arbeitskleidung bis zu einer Marktreife entwickelt, die "Mobile E-Business" eine völlig neue Dimension geben können - es fehlt allein an einer Strategie, die die Integration dieser Lösungen in die bisherigen Geschäftsprozesse aufzeigt und damit einen konkreten Nutzen für Anbieter und Anwender generiert.

Der Paradigmenwechsel ist in vollem Gange

Die bisherige Annahme, dass Mitarbeiter und Kunden von Unternehmen feste Lokationen aufsuchen, um dort zu kommunizieren, zu arbeiten oder einzukaufen, trifft nicht mehr zu. Die weite Verbreitung von mobilen Telefonen und die wachsende Einführung von mobilen Arbeitsplätzen zeigen, dass die Mobilität der Menschen stark zunimmt. Damit verbunden ist eine gestiegene Erwartung, auf Informationen und Transaktionen jederzeit und überall hochpersonalisiert zugreifen zu können. Dies hat zur Folge, dass das bisherige Verfahren, Geschäftsprozesse zu entwickeln, vollständig überdacht werden muss. Der Anwender addiert zu den bisherigen Prozess-Parametern einen entscheidenden hinzu, den des variablen Standortes bzw. Kommunikationskanales. Das Herausarbeiten eines Verständnisses der mobilen Abläufe, ein sog. "mobile Mindset", ist daher unausweichlich.

Dazu ein Beispiel aus der Automobil-Branche: Nahezu die Hälfte der Neuentwicklungen eines Fahrzeuges liegt im Bereich der Elektronik. Jedes Fahrzeug wird innerhalb der nächsten zwei Jahre über das Internet Informationen austauschen können (Navigations-System, Wartungsinformationen etc.) und entwickelt damit für den Hersteller und den Fahrer eine komplexe mobile Geschäfts-Plattform, die in die bisherige E-Business-Architektur eingebunden werden muss. Wie werden die bisherigen Prozesse im Bereich Produktion, Verkauf, Wartung und Kundenpflege erweitert, welche Anforderungen und Bedürfnisse hat der Fahrer, wie lassen sich sinnvolle Geschäftsmodelle für diese Szenarien entwickeln? Diese Fragen lassen sich alleine im Rahmen von strategischen Untersuchungen beantworten und gehen weit über WAP und UMTS hinaus.

Die mobile E-Business-Strategie

Über den Erfolg des "Mobile E-Business" wird nicht in den Forschungslabors und den Entwicklungsabteilungen der IT-Branche entschieden. Die Technologien für die Umsetzung komplexer mobiler Lösungen sind vorhanden, es ist eine Managementaufgabe die Chancen zur Entwicklung neuer Umsatzkanäle und zur Bedienung der wachsenden Kundenanforderungen zu ergreifen. Eine umfassende mobile E-Business Strategie sollte dabei folgende Punkte beinhalten:

Das Geschäftsmodell:

Durch die zunehmende Mobilisierung werden neue Geschäftsprozesse / -modelle entstehen und bestehende um mobile Komponenten erweitert. Die Entwicklung eines "Mobile Mindset" führt zu einer neuen Prozess-Landschaft, die Kosten und Nutzen des "Mobile E-Business" aufzeigt.

Der Faktor Zeit:

In mobilen Szenarien sollte der Schwerpunkt auf zeitkritischen Informationen und Transaktionen liegen, die einen sofortigen Nutzen für den Anwender bringen.

Die Sicht des Anwenders:

Mobile Szenarien sollten aus Anwenderperspektive entworfen werden: In welcher Situation wird sich der Anwender befinden, welche Anforderungen stellt er in dieser Situation an ein Angebot etc. ?

Die Multi-Channel-Strategie:

Durch die Vielzahl der Kontaktmöglichkeiten wie etwa Telefon, Internet via PC, Internet via WAP oder Post ist es notwendig, die für Anbieter und Anwender optimale Kommunikations-Strategie zu entwickeln: Über welchen Kanal werden welche Informationen zur Verfügung gestellt ? Wie kann ein Benutzer optimal in seinem Prozess durch die verschiedenen Kanäle unterstützt werden ?

Auf diesem Fundament entwickelte mobile Lösungen haben größere Erfolgschancen als schnell auf das Handy übertragene Informationsangebote. Gleichzeitig befreit man sich von Diskussionen über den Erfolg von GPRS oder UMTS, da eine umfassende mobile E-Business Strategie so offen gestaltet sein sollte, dass sie von jeder etablierten mobilen Technologie unterstützt werden kann. Denn eines ist sicher: Die Welt des "Mobile E-Business" ist schon Realität - allein die IBM hat in den letzten 12 Monaten für rund 500 Kunden mobile Lösungen implementiert.



Schreiben Sie dem Autor: lbinder@de.ibm.com

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