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Paris will Krankenakte Arafats nicht herausgeben

Trotz wachsenden Drucks will Frankreich der neuen Palästinenserführung keine Informationen über die Todesursache von Präsident Jassir Arafat geben. Nur die nächsten Angehörigen könnten über die Krankheit des Verstorbenen informiert werden.

dpa RAMALLAH/PARIS. Trotz wachsenden Drucks will Frankreich der neuen Palästinenserführung keine Informationen über die Todesursache von Präsident Jassir Arafat geben. Nur die nächsten Angehörigen könnten über die Krankheit des Verstorbenen informiert werden.

Dies sagte der französische Außenminister Michel Barnier am Dienstag im Radiosender Europe 1. Der palästinensische Übergangspräsident Rauhi Fattuh forderte Paris auf, die Krankenakte Arafats herauszugeben. Arafats bisheriger Leibarzt, der Jordanier Aschraf el Kurdi, verlangte eine Autopsie des Leichnams.

Arafat war am Donnerstag im Alter von 75 Jahren im Militärkrankenhaus Percy bei Paris gestorben, ohne dass es amtliche Informationen zur Todesursache gab. Viele Palästinenser sind der Überzeugung, Arafat sei vergiftet worden. Nach Informationen der Pariser Wochenzeitung "Le Canard enchainé" hatte Arafat eine Leberzirrhose, die nicht von Alkoholgenuss herrührt. Der überzeugte Wassertrinker, der in seinem Hauptquartier in Ramallah nicht angemessen medizinisch behandelt worden sei, sei wahrscheinlich an einer Vielzahl Ursachen gestorben, schreibt die Zeitung (Ausgabe vom 17. November) unter Berufung auf Ärzte mit Zugang zum Krankendossier.

Nach französischem Recht sind nur die nächsten Angehörigen auskunftsberechtigt. Die Krankenakte werde "entsprechend dem Gesetz an jene Angehörige gegeben, die das beantragen", sagte Barnier. Die Familie Arafats habe dann "die Freiheit zu tun, was sie tun will".

Vor Arafats Hauptquartier in Ramallah demonstrierten mehrere hundert Jugendliche mit Plakaten "Wer hat unseren Vater getötet?" Der ehemalige Berater Arafats, Tajib Abdel Rahim, sagte: "Wir suchen weiter nach der Wahrheit." Sollte es Verantwortliche geben, müssten sie bestraft werden. Die israelische Nachrichtenagentur Itim meldete am Dienstag, die Palästinenser wollten zu Ehren Arafats ein Museum einrichten.

Die Al-Aksa-Brigaden wollen ihre Waffen nicht der neuen Palästinenserführung aushändigen. Ein solcher Schritt sei nur möglich, wenn die Nachfolger Arafats garantieren könnten, dass die Forderungen nach einem unabhängigen Staat und einem Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge erfüllt würden, sagte ein Anführer der Brigaden im Rundfunk. Solange Israel Palästinensergebiete besetze, gehe der Widerstand weiter. Die Al-Aksa-Brigaden sind ein bewaffneter Flügel von Arafats Fatah-Bewegung und für zahlreiche Anschläge auf israelische Ziele verantwortlich.

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