Pariser Automobilsalon zwischen Branchen-Highlight und Krisengipfel
Nachfrage nach Neuwagen will nicht anspringen

Neue Modelle, pfiffige Ideen, niedrige Preise und günstige Finanzierungen: Die Nachfrage nach Autos lahmt dennoch. Vom Pariser Automobilsalon erhoffen sich die Firmen das Signal zum Aufbruch.

FRANKFURT/M. Die Gemeinde der Automobilbegeisterten schaut Richtung Paris. Dort wird Ende der Woche mit glitzernden Präsentationen der Freiheit auf vier Rädern gehuldigt. Doch das Lächeln der Manager auf den Ständen des Pariser Autosalons wird hinter den Kulissen von Sorgenfalten verdrängt. Nachdem die Branche die Hoffnung auf einen Aufschwung im laufenden Jahr weitgehend begraben hat, droht nun auch für 2003 Ungemach.

Während die großen Autoschauen zu Jahresbeginn in Detroit und im Frühjahr in Genf noch unter den Folgen der Anschläge auf das World Trade Center litten, sollte Paris die Wende markieren. Entsprechend optimistisch zeigen sich die Konzernlenker in der Öffentlichkeit. Doch statt Euphorie schwebt ein neues Schreckgespenst über der Branche: Die Angst vor einer Eskalation der Irak-Krise und dadurch weiter steigenden Ölpreisen. So äußerte sich stellvertretend für die Branche der für das Pkw-Geschäft von Mercedes und Smart zuständige Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert besorgt: "Ein Krieg kann nach meiner Überzeugung nur negative Folgen für die Weltwirtschaft haben."

Ein anhaltender Nachfragerückgang würde die Automobilfirmen in große Schwierigkeiten bringen, denn trotz Werksschließungen produzieren viele Unternehmen zurzeit auf Halde. Nach Schätzungen von Rolf Leuchtenberger, Präsident des deutschen Kraftfahrzeug-Gewerbeverbandes, bewegt sich die Überkapazität bei den Massenherstellern in einer Größenordnung von 30 bis 40 %.

Bei Fiat sind die Fabriken nur zu 70 % ausgelastet

Der krisengeschüttelte italienische Fiat-Konzern hat eingeräumt, dass die Fabriken nur zu 70 % ausgelastet sind. Andere Firmen hüllen sich darüber in Schweigen. Doch eine Flut von Sonderangeboten, Preisnachlässen und günstigen Finanzierungen zeugt von Absatzproblemen.

Wird der Irak-Konflikt friedlich beigelegt, und die Preise beim Rohöl fallen wieder, sollten die Automobilhersteller für 2003 weltweit aber wieder mit einer Entspannung der Lage rechnen können. So prognostiziert das auf die Automobilwirtschaft spezialisierte Marktforschungsinstitut Autofocus, dass im kommenden Jahr rund eine halbe Million mehr Autos auf der Welt verkauft werden könnten als 2002.

Allerdings stammt dieses Wachstum nach den Voraussagen der Autofocus-Verantwortlichen Ferdinand Dudenhöffer und Detlef Borscheid aus Ländern außerhalb der Auto-Kernregionen Nordamerika, Westeuropa und Japan. Für Nordamerika sagen die Forscher einen deutlichen Rückgang voraus - nachdem es den Herstellern dort im laufenden Jahr gelungen ist, mit starken Kaufanreizen den Negativtrend umzukehren. In Westeuropa dagegen wird die Nachfrage, getragen von einem Anstieg in Deutschland, von 2003 an über Jahre hinweg moderat anziehen, wird prognostiziert.

Das laufende Jahr hat die Erwartungen dagegen enttäuscht. In Westeuropa blieb die Zahl der Neuzulassungen von Januar bis August nach Angaben des europäischen Herstellerverbandes Acea um 4,3 % hinter dem Vorjahr zurück, für Deutschland meldete der Verband der Automobilindustrie (VDA) für den gleichen Zeitraum ein Minus von 3 %. "Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, aber der Tunnel ist wohl etwas länger als erwartet", hat VDA-Präsident Bernd Gottschalk die Lage mit Blick auf 2003 kommentiert. Für das gesamte Jahr rechnet der VDA in Deutschland mit einem Absatzrückgang von 4 % auf 3,2 Millionen Neuwagen.

Dabei zeigt sich in der Branche kein einheitliches Bild: Während Premiumhersteller wie Mercedes, BMW oder Porsche zum Teil sogar zulegen konnten, leiden vor allem Massenhersteller wie VW und Opel unter rückläufiger Nachfrage und starker ausländischer Konkurrenz - zuletzt vor allem aus Frankreich. Am Wochenende müssen sie ausgerechnet dort zeigen, wie sie Marktanteilsverluste wieder wettmachen wollen.

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