Parlamentsberatungen von Ausschreitungen begleitet
Rentenreform löst Krawalle in Paris aus

Im Streit um die in Frankreich geplante Rentenreform ist es am Dienstagabend in Paris nach einer Kundgebung zu schweren Krawallen gekommen.

HB/dpa PARIS. Mit Tränengas und Wasserwerfern gingen Polizisten auf dem Concorde-Platz unweit der Nationalversammlung gegen vermummte Demonstranten vor, wie Augenzeugen berichteten. Die gewalttätigen Protestierer steckten Mülleimer in Brand, bauten daraus Barrikaden und warfen mit Steinen und Flaschen. Dutzende von Randalierern wurden vorübergehend festgenommen.

Frankreichs Parlament hatte zuvor mit den Beratungen über das Reformpaket der Regierung unter Premierminister Jean-Pierre Raffarin begonnen, das im Juli endgültig verabschiedet werden soll. Raffarin will an seinem Reformvorhaben festhalten, hat aber auch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Präsident Jacques Chirac unterstützt die Pläne. Bis zum Jahr 2020 braucht Frankreich rund 50 Milliarden Euro, um das Loch in den Rentenkassen zu stopfen.

Die Polizei machte bis zu 250 Demonstranten, den Angaben nach überwiegend Anarchisten, für die Auseinandersetzungen verantwortlich. Zu den Krawallen war es gekommen, nachdem sich der Ordnungsdienst der Kundgebung zurückgezogen hatte. Dutzende Protestteilnehmer flohen vor der anrückenden Polizei in die Garnier-Oper, in der Mozarts "Così fan tutte" auf dem Programm stand. Sicherheitskräfte umstellten das Haus und nahmen etwa 60 Demonstranten vorübergehend fest. Die Oper wurde abgesagt. Gewerkschafter verurteilten am Mittwoch das ihrer Ansicht nach brutale Eingreifen der Polizei. Nach Gewerkschaftsangaben gingen allein in Paris und Marseille jeweils 200 000 Demonstranten auf die Straße.

Wegen der seit Wochen landesweit andauernden Streiks war das öffentliche Leben in mehreren französischen Großstädten auch am Mittwoch wieder stark beeinträchtigt. Der Bürgermeister von Marseille, Jean-Claude Gaudin, forderte den Einsatz der Armee, um die Berge von Müll zu beseitigen, die sich in der südfranzösischen Stadt mittlerweile angehäuft haben. Die großen Pariser Geschäfte klagen über finanzielle Einbußen durch die Behinderungen im Nahverkehr.

Am folgenschwersten waren bisher die Arbeitsniederlegungen am 13. Mai, als das öffentliche Leben im Land praktisch still stand. Im Kern sollen in Frankreich - ähnlich wie in anderen Ländern Europas - die Lebensarbeitszeiten verlängert und die Rentenzahlungen leicht verringert werden.

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