Parlamentspräsident wird vorübergehend Staatschef
Valentin Paniagua ist Perus Interimspräsident

Das Rücktrittsschreiben von Präsident Alberto Fujimori hat Valentín Paniagua persönlich in Empfang genommen. Jetzt soll Perus Parlamentspräsident selbst vorübergehend die Nachfolge des Staatschefs antreten, der wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs und Korruption den Hut nahm.

afp LIMA. Weil auch Fujimoris Stellvertreter zurücktraten, sieht die peruanische Verfassung den Parlamentspräsidenten als kommissarischen Staatschef bis zur Abhaltung von Neuwahlen vor. Der 64-jährige gemäßigte Fujimori-Gegner scheint zwar nicht sonderlich erpicht auf den Posten des Interimspräsidenten zu sein, weil er dann nach der Verfassung nicht mehr zur Präsidentschaftswahl im Frühjahr antreten könnte. In der gegenwärtigen Staatskrise dürfte der Verfechter der Demokratie aber die Idealbesetzung für das höchste Staatsamt in Peru sein.

Paniagua ist ein Verfechter der Demokratie

Der 64-Jährige Verfassungsrechtler hat sich in der Vergangenheit als glühender Verfechter der Demokratie erwiesen und genießt als Mann der Versöhnung und des Dialogs breites Ansehen in der bisherigen Opposition und selbst im Lager des zurückgetretenen Präsidenten Fujimori. Sein politischer Erfahrungsschatz und seine Besonnenheit könnte bis zum Amtsantritt eines gewählten Präsidenten im nächsten Juli dazu beitragen, den Sumpf aus Korruption aus der Ära Fujimori trocken zu legen.

Mit 27 Jahren zog er ins Parlament ein

Paniagua wurde im September 1936 in der südperuanischen Andenprovinz Cusco geboren. Er spricht fließend Quechua, die Sprache der peruanischen Ureinwohner. Seine politische Heimat hat der Verfassungsrechtler in der konservativen Partei "Democracia Cristiana", für die er 1963 als 27-Jähriger ins Parlament von Lima einzog. Schon zwei Jahre später wurde er Justizminister in der Regierung von Präsident Fernando Belaúnde. Als seine christdemokratische Partei 1968 den Militärputsch gegen Belaúnde unterstützte, kehrte Paniagua der Partei den Rücken und trat in die zentristische Partei "Acción Popular" ein. Nach zwölf Jahren Militärregierung in Peru machte sich Paniagua von 1980 an in der zweiten Regierung Belaúnde einen Namen als glühender Verfechter der demokratischen Institutionen und als Erziehungsminister.

Seit 1985 widmete sich Paniagua wieder seiner Universitätslaufbahn. Erst in diesem Jahr erschien der Rechtsprofessor nach einem dramatischen Ansehensverlust der politischen Parteien infolge der Fujimori-Herrschaft wieder auf der politischen Bühne. Bei der umstrittenen Parlamentswahl im Frühjahr wurde er als einer von drei Abgeordneten der "Acción Popular" in den Kongress gewählt, der ihn aufgrund seines großen politischen Erfahrungsschatzes und seiner versöhnlichen Haltung Mitte November zu seinem Vorsitzenden wählte.

Verteidigt einen Verfassungsrichter

Auch während der zehnjährigen Präsidentschaft von Alberto Fujimori stellte Paniagua seine demokratische Gesinnung unter Beweis. 1997 verteidigte er einen der drei peruanischen Verfassungsrichter gegen seine Absetzung durch den Kongress. Das Gericht hatte ein Gesetz zurückgewiesen, das Fujimori eine dritte Amtszeit erlaubt hätte.

Seine demokratische Gesinnung verhalf Paniagua in letzter Zeit zu einem sensationellen politischen Comeback. Erst vor einer Woche ernannte ihn das Parlament in Lima mit Hilfe von Stimmen aus dem Regierungslager zum Parlamentspräsidenten, nachdem seine Vorgängerin Martha Hildebrandt, eine treue Fujimori-Verbündete, in einer für die Geschichte des Landes einmaligen Entscheidung abgewählt worden war.

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