Parteien setzen auf furiosen Endspurt: Die letzten Wochen entscheiden die Wahl

Parteien setzen auf furiosen Endspurt
Die letzten Wochen entscheiden die Wahl

Offiziell hüten die politischen Parteien ihre Wahlkampfkonzepte als "Betriebsgeheimnisse". In Wirklichkeit aber gibt es nicht viel zu verbergen - die Strategen stehen noch ganz am Anfang.

gof BERLIN. "Die Bundestagswahl wird im Prinzip erst in den letzten sechs Wochen entschieden", weiß SPD-Generalsekretär Franz Müntefering. Auch sein CDU-Amtskollege Laurenz Meyer kennt den "Wähler als geheimnisvolles Wesen", das sich nicht selten erst beim Gang an die Urne für einen Kandidaten entscheidet.

Da die beiden großen Volksparteien mittlerweile nur noch über eine "Kernwählerschaft" von rund 13 Prozent und über eine ebenso große "Randwählerschaft" verfügen, kommt es also entscheidend auf zwei Dinge an: Erstens müssen die jeweiligen Lager mobilisiert, also vollzählig an die Urne gebracht werden. Zweitens gilt das Augenmerk der Kampagnenmanager den Wechselwählern, denn von ihrem Votum hängt letztlich der Ausgang einer Wahl ab.

Die SPD will deshalb bis zur Sommerpause erst einmal "Normalität" demonstrieren nach dem Motto: Wir sind die Regierung und haben zu arbeiten - Wahlkampf ist später, genauer gesagt nach der Rückkehr der Deutschen aus dem Sommerurlaub. Bis dahin, so die Hoffnung der SPD-Strategen in der "Kampa", hellt sich auch der trübe Konjunkturhimmel wieder auf und gibt Anlass zu Optimismus. Steigendes Wachstum und sinkende Arbeitslosigkeit sollen das Verfehlen der selbst gesteckten Kanzler-Ziele dann in einem milderen Licht erscheinen lassen. Eine freundliche Großwetterlage ist auch deshalb wichtig, weil das Kreuz auf dem Stimmzettel nach Analyse von Müntefering "weniger ein Zeugnis für die letzten vier Jahre, sondern eher ein Vertrauensvorschuss für die zukünftigen Aufgaben ist."

Die Zwischenzeit wird genutzt, um immer wieder die Botschaften der Regierung zu transportieren. Dazu dienen öffentliche Foren, Parteitage und vor allem gut platzierte Auftritte des mediengewandten Kanzlers.

Die Union, deren Spitzenkandidat erst seit kurzem feststeht, kämpft zurzeit noch damit, ein schlagkräftiges Wahlkampfteam aus den beiden Schwesterparteien zu bilden. Öffentlicher Streit oder Widersprüche zwischen CDU und CSU sind die größte Sorge der Christdemokraten. Das unionsinterne Hin und Her über das Vorziehen der Steuerreform, die Rücknahme der Ökosteuer und die unklare Haltung der Union zu Homo-Ehen, Kündigungsschutz oder Atomausstieg haben Stoibers furiosem Start bereits nach wenigen Tagen viel von seinem Schwung genommen.

Die zweite Sorge gilt dem Kanzlerkandidaten selbst. Stoiber soll weder herrisch, kühl, typisch bayerisch oder rechtslastig erscheinen, sich zugleich aber auch nicht verbiegen - viel Arbeit für die Medienberater und TV-Trainer des CSU-Chefs. Intern umstritten ist ferner die Strategie, Deutschland bis zum 22. September ständig als heruntergewirtschafteten Abstiegskandidaten schlechtzureden. "Damit beschimpft man zwar die rot-grüne Regierung, aber auch die Menschen selbst", sorgt sich ein Parteimanager. "Unzufriedenheit über Schröder ist noch kein Votum für Stoiber."

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