Parteien wollen über Verfassungsreform sprechen
Erneute Gefechte in Mazedonien trotz politischer Fortschritte

Trotz politischer Fortschritte ist die Waffenruhe in Mazedonien am Mittwoch erneut durchbrochen worden. Im Norden des Landes kam es zu neuen Gefechten zwischen albanischen Rebellen und Sicherheitskräften der Regierung.

afp SKOPJE. Die zerstrittenen albanischen und slawischen Parteien verständigten sich derweil in Skopje darauf, gemeinsam über einen Entwurf zur Reform der mazedonischen Verfassung zu diskutieren. Der Entwurf sieht zunächst die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung vor, wie der mazedonische Präsident Boris Trajkovski mitteilte. Mehr als 4000 albanischstämmige Flüchtlinge kehrten unterdessen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) seit Samstag vom Kosovo in ihre Heimat Mazedonien zurück.

Trajkovski fügte hinzu, die "Einheit des Staates" werde durch die Einigung zwischen den Parteien nicht in Frage gestellt. Die "wichtige Übereinkunft" ermögliche nun eine "sichtbare und schnelle Entwicklung im politischen Prozess". Der Entwurf war vom früheren französischen Justizminister Robert Badinter ausgearbeitet worden. Badinters Vorschläge dienen nach Trajkovskis Worten als "Gesprächsgrundlage" für die Zukunft. Die albanischen und slawischen Vertreter sowie internationale Experten sollen in Kürze Gespräche über Verfassungsänderungen aufnehmen, die über diejenigen auf kommunaler Ebene hinausgehen. Die albanischen Parteien fordern vor allem die verfassungsmäßige Gleichstellung als Staatsvolk mit den Slawen und die offizielle Anerkennung ihrer Sprache.

Bei den Gefechten am Mittwochmittag wurde nach Armeeangaben niemand verletzt. Zu Zwischenfällen kam es den Angaben zufolge bei dem Bergdorf Radusa in der Grenzregion zum Kosovo. Ein Militärsprecher sagte, ein Polizeiposten sei von den Rebellen unter Feuer genommen worden, worauf die Armee mit Panzern zurückgeschossen habe. Auch bei Tetovo lieferten sich beide Seiten demnach Schusswechsel. Am Dienstagabend war bei einem Angriff albanischer Rebellen ein Soldat getötet und ein weitere verletzt worden.

Eine UNHCR-Sprecherin teilte in Skopje mit, die meisten der zurückgekehrten Flüchtlinge seien in die Hauptstadt Skopje gereist. Zugleich habe die Zahl der neu angekommenen Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten im Norden Mazedoniens in der vergangenen Woche deutlich abgenommen. So hätten am Wochenende nur noch 500 Albaner die Grenze zum Kosovo passiert. Die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimatstädte sei ein positives Zeichen, betonte die Sprecherin. Seit Ausbruch der Kämpfe zwischen der Armee und den Rebellen der selbst ernannten "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) im Februar suchten insgesamt mehr als 70 000 Menschen Schutz im Kosovo. Die meisten wurden von Verwandten aufgenommen. Etwa 6000 Menschen flohen demnach nach Serbien und Montenegro, rund 3000 in die Türkei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%