Parteitag der FDP beginnt heute
Für Westerwelle kommt nach Spaß nun Pflicht

Noch zum Jahreswechsel hatte Guido Westerwelle einen Durchhänger. Die Bundestagswahl mit ihm als "Kanzlerkandidaten" war mit 7,4 Prozent verloren. Das schlechte Management der Affäre um Jürgen Möllemann wurde hauptsächlich dem Parteichef angelastet. Die FDP blieb nach dem "Projekt 18" dauerhaft im Umfrage-Keller.

HB/dpa BREMEN. "Ich habe die schwerste politische Zeit meines Lebens erlebt", sagt der 41-Jährige heute dazu. "Ich musste mich selber wieder aufrichten." Vor der Möllemann-Affäre hatte der selbstbewusste Anwalt aus Bonn, mit seinem rhetorischen Talent Dauergast bei Talk-Runden, scheinbar mühelos die FDP-Karriereleiter erklommen.

Als talentierter Jungpolitiker setzte er sich durch: 1980 zunächst als Mitbegründer der Jungen Liberalen, dann im FDP-Bundesvorstand und von 1984 an als Generalsekretär. Von Möllemann angetrieben verdrängte er vor zwei Jahren Wolfgang Gerhardt vom Parteivorsitz.

Beim damaligen Parteitag in Düsseldorf wurde Westerwelle mit Jubel und fast 90 Prozent in das Spitzenamt gewählt. "Westerwelle führt die FDP ins Hoch", lauteten die Schlagzeilen. Westerwelle ("Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. Und das bin ich!") ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen - auch eine Idee von Möllemann, der allerdings am liebsten selbst Kandidat geworden wäre.

Als NRW-Parteichef Möllemann dann Mitte 2002 seinen Sonderwahlkampf mit nicht abgesprochenen Flugblattaktionen begann und damit eine Antisemitismus-Debatte auslöste, dauerte es in den Augen vieler in der Partei zu lange, bis Westerwelle öffentlich die Notbremse zog. Inzwischen zeigt er besonders an diesem Punkt Selbstkritik. Zugleich ist er bemüht, sein Image als "Spaßpolitiker" abzulegen. Ein Besuch im "Big-Brother"-Container wie noch vor ein paar Jahren wäre heute schwer vorstellbar.

Wenn Westerwelle nun seine politische Bilanz präsentiert, tauchen nur noch harte Fakten auf: Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hat die FDP bei allen Wahlen zugelegt. Die Zahl ihrer Mandate in den Landtagen konnte sie verdoppeln. Die Partei hat 14 000 neue, meist jüngere Mitglieder hinzugewonnen.

So steht Westerwelle heute an der Parteispitze ohne Alternative da und auf ziemlich sicherem Boden - zumindest, solange die für die FDP positive Wahl-Serie anhält. Für sich selbst hat Westerwelle das Ziel klar abgesteckt: Er will als Parteichef die FDP spätestens 2006 in die Regierung zurückführen.

Als Lieblingsfeld pflegt er neuerdings die Außenpolitik. Manche sagen, weil er sich für jeden Posten - ob an der Spitze der Fraktion oder in einer Regierung - fit machen wolle. Und so tauchten in den Tagen vor dem Parteitag Spekulationen auf, Fraktionschef Gerhardt dränge es ins Europaparlament. Der Betroffene dementierte scharf.

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