Parteitag der Grünen
Kampf ums grüne Copyright

Der Energiepapst der Fraktion, der bärtige Bayer Hans Fell, -Josef will keinen Euro mehr für "klimaschädliche Investitionen" ausgeben. Kohle- und Gaskraftwerke, egal wie effizient, seien nur "eine Mauer zum Solarzeitalter".

Da gerät das wohlklingende Duo der Parteiführung aus "radikal" und "realistisch" zum Problem. Denn die in den Jahren des Regierens gestählten Pragmatiker wissen, dass sie sich mit solcher Vision "selbst ein Bein Stellen", wie eine Delegierte mahnt. Eindringlich redet Reinhard Loske, der den Realo-Mainstream-Ökoantrag geschrieben hat, den Träumern ins Gewissen, "sich nicht von der Diskussion abzukoppeln".

Die Grünen sollen abwägen dürfen, statt wie ein Delegierter nur "Kohlendioxid: nein, nein, nein" zu brüllen. Schließlich geht in China und Indien ohne "Brückentechnologien", also möglichst saubere konventionelle Kraftwerke, rein gar nichts.

Am Ende obsiegen die Pragmatiker und weisen den Weg des mühevollen Klein-Klein. Aber mit radikaler Rhetorik: "Gerissen und gnadenlos" kündigt Fraktionschefin Renate Künast an, wollen sie beweisen, "dass 25 Prozent erneuerbare Energien möglich sind". Sie wollen die City-Maut, die Kerosinsteuer und vor allem mehr Effizienz und Energie sparen. Fürs erste sollen aber auch Kohlekraftwerke noch keine Öko-Sünde sein. Zumindest die mit CO2-Abscheidung nicht, die das klimaschädliche Gas in Tanks pressen und sammeln.

Die Realisten sind nun guten Mutes. "Jeden Tag" wollen sie nun zeigen, wer die Klimapartei ist, in diesem Land", sagt Roth kampfbereit. Dass auch Guido Westerwelle kürzlich erstmals den Kontakt zu Umweltverbänden gewagt hat, beweise schließlich nur, das "selbst dieser neoliberale kaltherzige Mann nicht daran vorbei kommt", wettert Bütikofer gegen billige Plagiate.

Und die Kanzlerin habe schließlich in Dresden "kein einziges vernünftiges Wort" zu Ökologie gesagt. "Gabriel und andere Kohle-Fans", droht Bütikofer mit erhobenen Fäusten, "werden sich noch die Zähne ausbeißen an unserer Radikalität und Realismus".

Der Kampf ums grüne Copyright hat gerade erst begonnen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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