Parteitag der Grünen
Kampf ums grüne Copyright

Die Zeiten für die Grünen sind hart. Ökologie und Klimaschutz haben sich in der politischen Debatte etabliert. Kaum einer schaut noch auf das Umweltschützer-Orginal. Den Grünen droht der Verlust des Copyrights. Auf ihrem Parteitag will die Partei die Trendwende einleiten - mit mehr Radikalität.

KÖLN. Bei uns diskutiert das Original", ruft Claudia Roth trotzig in den Saal, reißt die großen Augen beschwörend auf und wirft die rot gescheckten Haare zurück. Sie ist empört über den "Windbeutel" Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der sich als Klimasschützer geriert, über die "neue Wendigkeit des Markus Söder", der "von einer Öko-CSU schwadroniert", den "Atom-Öko Westerwelle" und vor allem über die Kanzlerin, die neuerdings gar renommierte Klimaberater engagiert. Aber "die anderen werden nicht grüner, wenn sie so tun, als hätten sei Ökologie und Klimaschutz entdeckt", hämmert Roth den eignene Leuten sowie den potenziellen Wählern ein.

Die Zeiten sind hart. Gerade weil Klimaschutz "wirtschaftspolitisch vernünftig geworden ist", wie Parteichef Reinhard Bütikofer sagt. Ein Megathema - spätestens seit Ex-Weltbanker Nicholas Stern die Brisanz für die Ökonomie beschworen hat - und kaum einer schaut auf das Umweltschützer-Orginal. Den Grünen droht der Verlust des Copyrights.

Als Gegenmittel wollen die Grünen auf dem Parteitag in Köln mehr Radikalität versprühen, doch das gelingt nur halbherzig. Dazu kommt der Ärger um das neue Logo. Weil die empfindliche Basis nicht gefragt wurde und "Bündnis 90" künftig klein geschrieben werden soll, lassen die 750 Delegierten das moderne vom Vorstand gewählte Signet durchfallen. Ihre Vorsitzenden Roth und Bütikofer strafen sie mit mageren 66 und 72 Prozent ab.

Eine Trendwende steht auch in der Außenpolitik nicht an: Die von den Linken geforderte Exit-Strategie für Afghanistan fällt durch, die Mehrheit folgt der Parteispitze, die den militärischen Schutz des Wiederaufbaus in Afghanistan weiterhin befürwortet. Zugleich wehren sich die Grünen gegen ein Weiter-So - alles weitere jedoch soll eine Kommission klären, die die Außenpolitik a la Fischer und ihre Zukunft unter die Lupe nimmt. Thema vertagt.

Den Kampf um die Klimaschutzdebatte dagegen fechten sie durch. Die Grünen wollen beweisen, dass nur sie "die wahre Klimaschutzpartei" sind, ruft Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn in den Saal. Freudestrahlend kann Bütikofer gar nicht oft genug sagen, dass SPD-Chef Kurt Beck die neue grüne Radikalität gegeißelt habe - und so den Grünen das ersehnte Alleinstellungsmerkmal attestierte.

Am Ende müssen die Grünen Vorbeter jedoch schwer argumentieren, um nach Jahren der pragmatischen Regierens nicht erneut in den Geruch eines grünen Spinnertums zu geraten. Denn mancher nimmt das mit der Radikalität ernster als es gemeint ist. Sie träumen von "Null- emission" - kein CO2, nirgends - spätestens 2050.

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