Parteitag startet mit Attacken auf den Herausforderer
Republikaner greifen Kerry frontal an

Die Republikaner haben ihren Parteitag in New York mit scharfen Angriffen gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry begonnen und der Terroranschläge vom 11. September gedacht. "Die Gegensätze zwischen Kerry und Präsident George W. Bush sind dramatisch", sagte der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. "Bush stellt sicher, dass wir den Terror jenseits unserer Grenzen an der Wurzel bekämpfen."

NEW YORK. Gleichzeitig bemühte sich Präsidentensprecher Scott McClellan, Bushs Äußerungen vom Montag zurechtzurücken, wonach der Terrorismus nicht vollständig besiegt werden könne. Bush habe in dem Interview von Sieg im konventionellen Sinne gesprochen und darauf hinweisen wollen, dass die Schlacht gegen den Terror "eine andere Art von Krieg ist und wir einem unkonventionellen Feind gegenüberstehen", erklärte McClellan. Auch Bush selbst nahm gestern vor Veteranen in Nashville seine Äußerung zurück: Der Kampf gegen den Terror sei "ein Krieg, den wir nicht begonnen haben, aber wir werden ihn gewinnen".

Guiliani griff Kerry frontal an: Der Demokrat habe immer wieder seine Positionen geändert, sei unglaubwürdig. "Gott sei Dank haben wir Bush als Präsidenten in dieser sehr, sehr gefährlichen Welt", sagte er. Die 5 000 Delegierten quittierten seine Bemerkung, dass das Terrorproblem in Europa lange Zeit nur halbherzig angepackt worden sei, mit Buhrufen. Als Beispiel nannte er die Anschläge auf das israelische Olympia-Team in München 1972, als drei der damals festgenommenen Terroristen binnen weniger Monate von den Deutschen freigelassen worden seien.

Auch der populäre Senator John McCain verteidigte Bushs Entscheidung für den Irak-Einsatz. "Wir hatten nicht die Wahl zwischen einem gutartigen Status quo und einem blutigen Krieg - es ging um Krieg oder eine noch ernstere Bedrohung", erklärte der Vietnam-Veteran. "Lassen Sie sich weder von unseren Kritikern im Ausland noch von unseren politischen Gegnern ins Bockshorn jagen." Als McCain den "hinterlistigen Filmemacher" Michael Moore dafür rügte, Saddams Irak als "Oase des Friedens" dargestellt zu haben, tobte die Halle. Moore, der auf der Pressetribüne saß, antwortete mit dem Victory-Zeichen.

Zwischen den Reden wurden immer wieder Video-Einspielungen von US-Einheiten im Irak gezeigt. Die Delegierten schwenkten Schilder mit der Aufschrift "Wir grüßen unsere Truppen" oder "Eine mutige Nation". Bei zahlreichen Auftritten wurde an die Anschläge vom 11. September erinnert. In zum Teil bewegten Worten schilderten enge Angehörige von damals getöteten Feuerwehrleuten, Polizisten oder Piloten ihre Gefühle und ihren Wunsch, dass Amerika entschlossen im Kampf gegen den Terrorismus bleibe. Nach einer Umfrage der "Washington Post" hat Kerry seinen Vorsprung vom Parteitag der Demokraten Ende Juli eingebüßt. Vor allem in Fragen der militärischen Sicherheit, wo Kerry kürzlich von einer Veteranengruppe massiv attackiert wurde, ist er zurückgefallen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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