Partner bieten kostenpflichtigen Download von Musikstücken an
Bertelsmann holt Musiktauschbörse Napster ins Boot

Im Zusammenhang mit der Kooperation wird die Bertelsmann-Musik-Tochter BMG ihre Klage gegen Napster wegen der angeblich illegalen Verbreitung von Musikstücken zurückziehen.

afp/jgo NEW YORK/DÜSSELDORF. Der Streit um die kostenlose Musik-Tauschbörse Napster hat eine überraschende Wendung genommen: Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann erklärte am Dienstag in New York, er habe sich mit Napster verbündet, um zahlenden Kunden über das Internet Musikstücke anzubieten. Im Zusammenhang mit der Kooperation werde die Bertelsmann-Musik-Tochter BMG ihre Klage gegen Napster wegen der angeblich illegalen Verbreitung von Musikstücken zurückziehen.

"Diese strategische Allianz mit Bertelsmann ist der richtige nächste Schritt für Napster", erklärte der Chef der Musiktauschbörse, Hank Barry. Mit dem neuen Service bekämen die Napster-Fans einen Dienst in derselben Qualität wie bisher, gleichzeitig blieben über Zahlungen aber die Rechte von Plattenfirmen und Künstlern gewahrt. Napster war von weiten Teilen der US-Musikindustrie verklagt worden, weil die geschätzten 37 Millionen Nutzer der Website mit einer speziellen Software kostenlos Musikstücke im digitalen MP3-Format aus dem Internet herunterladen können.

Bertelsmann will die Plattform auch für andere Anbieter offenhalten

Im Gespräch mit Handelsblatt.com erklärte Alexander Adler, Pressesprecher der Bertelsmann eCommerce Group, jetzt komme es darauf an, die neue Napster-Technik für alle Seiten Gewinn bringend einzusetzen: "Niemand kann die Uhr zurückdrehen. Außerdem steht fest: File-Sharing, also der Austausch von Musikstücken über das Internet, ist ein tolles Geschäftsmodell." Der nächste Schritt werde die Einführung eines Systems sein, das Tantiemen für Künstler und Plattenfirmen enthalte, sagte der Pressesprecher. Zum Zeitpunkt und zu den Kosten wollte Adler keine Angaben machen. Allerdings seien verschiedene Möglichkeiten denkbar. So könnten bespielsweise in einem mehrstufigen Modell je nach Nutzungsdauer Gebühren erhoben werden. Auch ein Abonnementmodell, bei dem für einen Pauschaltarif Zugriff auf den Gesamtkatalog erlaubt werde, sei im Gespräch. Bertelsmann wolle die Plattform auch für andere Anbieter offenhalten, sagte Adler, schränkte aber ein: "Ich weiß nicht, ob es da ideologische Berührungsängste gibt."

Diese Berührungsängste gibt es offenbar nicht. Tim Renner, President Music Group von Universal Music Deutschland äußerte sich positiv zur Bertelsmann-Napster-Zusammenarbeit: "Wann immer die Musikindustrie neue Wege beschreitet, ist das zu begrüßen, zumal, wenn es neue Möglichkeiten der Kommunikation eröffnet. Das scheint hier der Fall zu sein. Prinzipiell kann ich mir die Zusammenarbeit mit jedem vorstellen, der die Künstler und Produzenten fair entlohnt und die Daten sicher übermittelt."

Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft betonte in einer Stellungnahme gegenüber Handelsblatt.com, grundsätzlich und da sei man sich einig, gehe es der Musikindustrie in Deutschland darum, legale Downloads zu ermöglichen. "Es kommt darauf an, dass die Rechte-Inhaber Lizenzgebühren erhalten. Die Beteiligung von Bertelsmann an Napster ist ein Beispiel dafür, wie man das Problem auf dem Geschäftsweg lösen kann," sagte Hartmut Spiesecke, Sprecher des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft.

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