Partner erörtern bei Treffen in Miami die Lage
Andersen kämpft um seinen Ruf

Die größte Pleite in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte wird auch für Arthur Andersen nicht ohne Folgen bleiben. Eine Welle von Klagen steht dem Unternehmen ins Haus. Schlimmer noch wäre ein Reputationsverlust. Andersen-Chef Berardino bemüht sich daher um Schadensbegrenzung.

lü/bba/wsj DÜSSELDORF. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen LLP versucht sich offenbar gegen mögliche Schadensersatzforderungen im Zuge der Enron-Pleite zu wappnen. Nach Informationen des Handelsblatts haben sich Sprecher der weltweiten Partnerorganisationen zur Lageerörterung in Miami getroffen, bei der auch dieses Thema auf der Tagesordnung gestanden haben dürfte. Für den Fall, dass die Gesellschaft in den USA eine hohe Zahlung leisten müsse, stünden Mittel bei den Partnern bereit, sagte Christoph Groß, Chef von Andersen Deutschland, dem Handelsblatt.

Der in die Kritik geratenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft werden demnächst vermutlich zahlreiche Klagen ins Haus flattern. Die Gesellschaft ist in den Finanzskandal um den US-Energiehandels-Konzern Enron verwickelt. Andersen soll illegale Buchhaltungspraktiken des Energiekonzerns nicht rechtzeitig aufgedeckt und zum Teil Prüfungsunterlagen vernichtet haben. Die ersten Aktionäre haben bereits eine Sammelklage eingereicht.

Einiges deutet nach Ansicht von Experten darauf hin, dass Andersen nicht ausreichend gegen die Forderungen der Kläger in Milliardenhöhe versichert ist und damit im Falle einer Verurteilung oder eines Vergleichs auf die Hilfe der Partner angewiesen sein dürfte. Andersen hat - wie die anderen der "Big Five" (KPMG, Ernst & Young, Deloitte Touche, und Peat Marwick) in Fällen von Schäden einen hohen Selbstbehalt. Für ein Teil der Forderungen muss die Gesellschaft also immer selbst aufkommen. Für Forderungen, die die vertraglich festgelegten Deckungssummen sprengen, kann Andersen dann zwar auf einen Versicherungspool zurückgreifen, in den es gemeinsam mit großen Wirtschaftsprüfern eingezahlt hat. Allerdings könne das Unternehmen vermutlich pro Jahr nicht mehr als insgesamt 300 Mill. $ in Anspruch nehmen, schätzt Mark Cheffers, US-Versicherungsexperte für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Alles darüber hinaus müsen gegebenenfalls die Partner übernehmen.

Inwieweit Andersen Forderungen von Klägern aus eigener Tasche bestreiten muss, ist eine Sache. Auf einem anderen Blatt steht der drohende Imageschaden durch den Enron-Skandal. Auch für Andersen-Deutschland-Chef Groß ist dies das eigentliche Problem. Der Fall werde, obwohl die deutsche Andersen-Organisation eigentlich gar nichts damit zu tun habe auch in Deutschland "viele Fragen" aufwerfen. Andersen sei eben eine weltweite Marke, was sowohl im positiven als auch im negativen zu entsprechende Assoziationen führe.

Konzern-Chef Joseph Berardino könnten jetzt harte Zeiten bevorstehen, weil sich Kunden abwenden und ihre Aufträge zurückziehen. Experten in den USA glauben, dass die Rufschädigung und der Vertrauensverlust, den Andersen jetzt erleidet, nicht wieder gutzumachen seien. Auch kommen erneut Gerüchte auf, Andersen könnte mit einer anderen großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft fusionieren.

Mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen versuchte Andersen gestern den Imageschaden zu begrenzen. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen", schrieb Berardino in einem offenen Brief, der am Mittwoch unter anderem in der "Washington Post" und im "Wall Street Journal" veröffentlicht wurde. Darin wiederholt er, dass Andersen den Partner David Duncan, der in Houston für die Buchprüfung bei dem Pleite gegangenen Energiehandelsunternehmen verantwortlich war, entlassen hat. Drei weitere Manager seien vom Dienst suspendiert worden, vier Manager seien mit anderen Aufgaben betraut worden. "Dies ist die schwierigste und herausforderndste Episode in der Geschichte unserer Firma", schrieb Berardino. Das Unternehmen werde voll mit den Untersuchungsbehörden zusammenarbeiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%