Partner stellt Renault vor vollendete Tatsachen: Lagardère will Autotochter schließen

Partner stellt Renault vor vollendete Tatsachen
Lagardère will Autotochter schließen

Der französische Industrie-Konzern Lagardère hat überraschend die Schließung der Autotochter Matra angekündigt. Die Fertigung des gemeinsam mit Renault gebauten Modells "Avantime" wird eingestellt.

abo PARIS. Zwischen dem französischen Industriekonzern Lagardère S.C.A. und der Renault S.A. bahnt sich ein handfester Streit um die Produktion eines exklusiven Automobils an. Lagardère stellte am Mittwochabend ohne Vorankündigung die Fertigung des gemeinsam mit Renault entwickelten Modells "Avantime" ein. Damit kann Renault bestellte Wagen möglicherweise nicht mehr liefern. Lagardère versichterte jedoch, seine Verpflichtungen gegenüber den Kunden des "Avantime"- und der älteren "Espace"-Modelle zu respektieren.

Am Mittwochnachmittag hatte Lagardère gemeldet, sie werde ihr Aktienpaket von 1,3 % an Renault auf den Markt werfen. Offensichtlich bereitet sich die Holding, deren Geschäftsschwerpunkt vornehmlich bei Medien liegt und die außerdem an EADS beteiligt ist, auf einen Bruch mit dem langjährigen Partner Renault vor.

Von der Lagardère-Tochter Matra Automobiles, die in den sechziger und siebziger Jahren durch ihre Sportwagen und Freizeitvehikel mit Kunststoffkarosserie auffiel, stammt das Konzept eines modularen Innenraums in einem Minivan, auf dem das Renault-Erfolgsmodell "Espace" basiert. Mit dem Konzept waren die Matra-Ingenieure bei Peugeot abgeblitzt, deren größtes Personenwagenchassis sie für einen Prototypen verwendet hatten.

Nach drei Modellgenerationen, von denen Matra für Renault insgesamt über eine Million "Espace" baute, holte Renault die Produktion in das eigene Werk Sandouville. Im Matra-Werk Romorantin musste Lagardère 1 000 der 2 500 Stellen abbauen.

Matra bekam zwar als Trostpflaster den Lohnauftrag zum Bau des Luxus-Kombi-Coupés "Avantime". Doch hatten sich beide Seiten einen Produktionsrhythmus von maximal rund 50 Fahrzeugen am Tag versprochen. Insgesamt 50 000 Fahrzeuge sollten über die Lebenszeit des Modells gebaut werden.

Doch laut Lagardère lag der Fertigungstakt Ende 2002 bei kaum 15 Fahrzeugen pro Tag. Matra hätte das Modell noch rund 10 Jahre weiter bauen müssen, um auf die avisierte Stückzahl zu kommen.

Lagardère hatte noch versucht, die erfolglose Matra zu verkaufen, doch Informationen der Nachrichtenagentur vwd zufolge sind die Verhandlungen mit dem deutschen PKW-Teilehersteller Albert Weber GmbH und der US Polaris Industries Inc. -Gesellschaft über eine Übernahme gescheitert.

Mit Matra gibt Lagardère den viergrößten französische Autohersteller auf. Durch die Schließung des PKW- Montagewerks in Romorantin. gehen 900 Arbeitsplätze verloren. Bereits Ende Januar war über den Zusammenbruch des Geschäftsbetriebes spekuliert worden. Bei Renault war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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