Partnerschaften und Finanzbeteiligungen sollen Lieferverträge sichern
Energiekonzerne buhlen um Stadtwerke

Weil die Stromriesen die Haushalte nur schleppend von einem Wechsel überzeugen können, kooperieren sie vermehrt mit Stadtwerken - und kommen so indirekt an neue Kunden.

HB DÜSSELDORF. Lübeck, Wuppertal oder Krefeld - die Global Player am Energiemarkt liefern sich auch in der Provinz einen knallharten Wettbewerb. Der Kampf um die Gunst der Stadtwerke gehört bei den Großen der Branche wie RWE, Eon oder Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) zur Kernstrategie.

"Der Wettbewerb um die Stadtwerke ist beinhart", sagt Dietrich Freudenberger, bei der RWE-Stromtochter RWE Plus zuständig für die Stadtwerke. Die Versorger bemühten sich verstärkt um Kooperationen. Deutschlands größter Stromkonzern arbeitet selbst mit 120 Stadtwerken zusammen, an rund 50 ist er beteiligt. Die RWE AG hat eigens ein Dienstleistungspaket - das "Profipartner"-Konzept - entwickelt, mit dem sie versucht die Stadtwerke zu gewinnen. Finanzbeteiligungen sind keine Pflicht, Stromlieferverträge natürlich gewünscht.

Als der Strommarkt 1998 geöffnet wurde, wurde den Großkonzernen ein großer Zulauf an Kunden vorausgesagt. Vier Jahre später stehen aber die Stadtwerke als Gewinner da. Die Wechselrate der Haushalte liegt bei unter 4 %. Marken wie "Avanza" von RWE oder "Yello" von EnBW erfüllten die Erwartungen nicht. Weil die Kommunen für ihr Verteilernetz hohe Nutzungsgebühren kassieren und anderseits einen dicken Kundenstamm haben, können sie hohe Renditen erwirtschaften. Und gelten als lukrative Übernahmeziele: Die Großen Versorger sichern sich über Beteiligungen Strom- und Gaslieferverträge und damit indirekt die Kunden der Stadtwerke. Von den rund 970 kommunalen Versorgern haben derzeit schon knapp 300 einen privaten Anteilseigner.

Eon geht mit Stadtwerken indirekte Partnerschaften ein

Branchenriese Eon geht mit Stadtwerken meist indirekte Partnerschaften über Regionalversorger wie die Münchner Thüga AG ein. Direkt und indirekt hält der Konzern so Beteiligungen an rund 150 Versorgern. Auch Newcomer am deutschen Markt suchen Partnerschaften. Beispiel Essent: Der niederländische Konzern will sich jährlich mit bis zu 500 Mill. Euro an kommunalen Versorgern in Nord- und Westdeutschland beteiligen. Der US-Energieriese TXU hat sich mit 51 % in Kiel beteiligt.

Die Konzerne greifen zum Teil tief in die Kasse. Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) lieferte sich mit RWE einen heftigen Bieterwettstreit bei den Stadtwerken Düsseldorf und bezahlte für ein 29,9-%-Paket knapp 450 Mill. Euro.

Die Stadtwerke Düsseldorf haben für EnBW allerdings eine hohe strategische Bedeutung. Der Stromkonzern gründete gemeinsam mit dem neuen Partner die Energie Nordrhein GmbH-Westfalen (ENRW) die Großkunden suchen und sich um Partnerschaften mit anderen Stadtwerken bemühen soll - im Stammland des Konkurrenten. "Wir sind in ganz NRW interessiert", bestätigt ENRW-Geschäftsführer Reinhold Wetjen.

Partner aus der Not ins Boot geholt

"Oft holen sich Städte einen Partner aus der Not heraus ins Boot", sagt Wolfgang Prangenberg, Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Die Städte brauchen häufig schlichtweg Geld. Die Stadtwerke dürften sich aber nicht zu "einem regionalen Verkaufsbüro degradieren" lassen, mahnt Prangenberg. Ein Problem, das das Bundeskartellamt erkannt hat. In ihren Stammgebieten setzt es den Branchengrößen inzwischen eine Obergrenze bei neuen Beteiligungen von 20 %.

Es geht auch anders: Die Aachener Trianel European Energy Trading GmbH ist ein Zusammenschluss von zur Zeit neun deutschen und drei niederländischen Stadtwerken, die bewusst unabhängig bleiben möchten. "Wenn Gesellschafter und Lieferant identisch ist, ist die Gefahr hoch, in eine Abhängigkeit zu geraten", sagt Vizechef Christian Becker, "bei uns können die Stadtwerke wettbewerbsfähig und eigenständig sein". Mit einer Beteiligung am Netzwerk bekämen sie Zugang zum Großhandel.

"Eine Abhängigkeit kann ich nicht erkennen, die Geschäftsführer bleiben autonom", wehrt sich RWE-Plus-Vertreter Freudenberger. Der Markt sei so umkämpft, dass die Anbieter den Partner wechseln könnten. Und: "Verträge werden fast nur noch mit einer Laufzeit von einem Jahr abgeschlossen".

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