Partnersuche für defizitären Hersteller von Satelliten
EADS umwirbt Alcatel für Satellitentochter

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will sein defizitäres kommerzielles Satellitengeschäft mit dem des französischen Wettbewerbers Alcatel fusionieren. Den Annäherungsversuch hat Alcatel zunächst zurückgewiesen, hieß es in Unternehmenskreisen.

WSJ TOULOUSE. EADS-Raumfahrt-Chef François Auque bestätigte gegenüber dem Wall Street Journal die Sondierungsgespräche, betonte aber deren frühes Stadium. Auch ein Joint Venture oder eine Zusammenarbeit an Einzelprojekten kämen in Frage, sagte Auque.

Über eine Fusion der beiden führenden europäischen Satelliten-Hersteller wird schon länger spekuliert, doch diesmal geht EADS entschiedener vor als bisher. Offenbar hat er Konzern mit Sitz in Toulouse schon die französische Regierung um Hilfe gebeten. Noch ist aber unklar, ob Paris eine Fusion unterstützen wird. Auch könnte Alcatel, das die Finanzlage seiner Satellitentochter im Gegensatz zu EADS "gesund" nennt, am Ende auch von selbst einwilligen.

Branchenbeobachter werten die Fusionsgespräche als Vorboten einer anrollenden Konsolidierungswelle unter den Satellitenherstellern; eine solche wird auch für deren Kunden, die Satellitenbetreiber, erwartet. Hier wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass die weltweiten Nummern zwei und drei (PanAmSat und Intelsat) unabhängig voneinander den größten europäischen Betreiber Eutelsat schlucken wollen. Dies verkleinert den Kundenkreis für EADS und Alcatel.

Die Satelliten-Industrie durchläuft eine Durststrecke, die noch bis Mitte des Jahrzehnts anhalten könnte. Für dieses Jahr erwarten Branchenbeobachter weltweit nur ein Dutzend Bestellungen neuer Satelliten - nicht genug, um zwei europäische Anbieter und ihre US-Wettbewerber zu ernähren. Angesichts der Krise, so EADS-Luftfahrtchef Auque, erscheine der EADS-Führung ein Zusammengang mit Alcatel unausweichlich. Bei Alcatel hat Vorstandschef Serge Tchuruk allerdings wiederholt betont, dass er die Satellitentochter als unverzichtbaren Teil des Kernkompetenz der Gruppe sehe - auch wenn er grundsätzlich offen sei für neue Möglichkeiten.

EADS hatte im vergangenen Jahr Sondierungsgespräche mit dem US-Anbieter Lockheed Martin geführt, diese aber angesichts komplexer US-Export- und Lizenzbestimmungen eingestellt.

Sollten EADS und Alcatel doch noch zusammenfinden, werden wahrscheinlich die US-Wettbewerber Lockheed Martin und Loral Space & Communications nachziehen. Beide haben Sondierungsgespräche geführt. Ein fusionierter europäischer Satellitenhersteller würde weltweit zu den zwei bis drei größten Anbietern gehören, möglicherweise Loral und Lockheed überholen und nah an den Branchenführer Boeing heran kommen.

Quelle: Wall Street Journal

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