Party mit Mike Huckabee
Ein (fast) normaler Wahlabend

Wer engagiert sich eigentlich für Mike Huckabee, den bibelfesten Shootingstar der konservativen Republikaner? Ein Querschnitt der an- und bodenständigen Amerikaner, für die ein Demokrat nicht in Frage kommt, für die John McCain ein wenig zu liberal ist und die von George W. Bushs falscher Moralität die Nase voll haben. Beobachtungen bei einer fast normalen amerikanische Wahlparty in South Carolina.

Mike Huckabees Anhänger im Convention Center von Columbia, der tristen Hauptstadt von South Carolina, sehen nur auf den ersten Blick recht brav aus. Die Damen haben sich schick gemacht, aber einige Mädels wagen einen tiefen Ausschnitt. Die Herren bevorzugen Pullover. Aber ein bulliger Typ mit Baseball-Kappe trägt ein auffälliges T-Shirt: Vorne steht "Vote Huckabee", hinten "or else ...", geschmückt mit einem Foto von Karatedarsteller Chuck Norris in Kampfhaltung.

Die meisten der 300 Anwesenden sind Helfer der Huckabee-Kampagne, viele reisen mit dem Treck durch ganz Amerika, auf eigene Kosten. Zur Belohnung wird Eiswasser und Kaffee angeboten. Vor dem Saal gibt es zwar auch Alkoholisches gegen Barzahlung, aber das scheint verpönt. Zwei Jungs mit Gitarre erobern die Bühne mit selbstgedichteten Songs zu altbekannten Melodien: "Won't you beeeee, for Huckabeeee". Ein rauschender Abend bahnt sich an.



Sieben Wochen unbezahlten Urlaub für Huckabee



Ob er die Evolutionstheorie ablehnt, so wie der Kreationist Huckabee, frage ich einen Nebenstehenden. "Unsinn, natürlich nicht. Klar gibt es bei uns auch ein paar Evangelikalen, aber hier geht es nicht um Religion". Tatsächlich sieht Derek Horne nicht nach einem Hinterwäldler aus. Der Afroamerikaner arbeitet als Rechtsberater für die US-Kommission für Bürgerrechte in Atlanta, eigentlich. Doch jetzt hat er sich sieben Wochen unbezahlten Urlaub genommen – und arbeitet für Huckabee als Freiwilliger. "Ich hatte mir eine kleine Summe zurückgelegt. Die investiere ich jetzt in Huckabee – weil es sich lohnt", erklärt Horne. Er habe nichts gegen McCain, aber Huckabee stehe für das, was Amerikas normale Bürger wollten. Ehrlichkeit, Anstand und Sicherheit.

Auf einem Großbildschirm läuft CNN, ohne Ton. Plötzlich geht ein Raunen durch den Saal, einzelne Rufe werden laut: "Huck-a-bee, Huch-a-bee". Nach den ersten Zahlen liegt John McCain vorne. Aber doch nur wenige Prozentpunkte vor Huckabee. Und, so macht der Moderator es spannend, noch sind die Bezirke im Norden des Landes, im so genannten Bibel-Gürtel rund um Greenville und Spartanburg (BMW!) nicht ausgezählt. Die Stimmung kippt. Jede neue Zahl wird mit Sprechchören beantwortet. "Wie steht's", fragen die Hintenstehenden. Mal 35 zu 30, dann wieder 33 zu 29.

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