Parzelle - unverbaut und ruhig gelegen
Bauland auf dem Mond

Grundstücke sind ein knappes Gut und mittlerweile auch sehr teuer. Wem es auf der Erde zu eng wird, kann aber durchaus auf den Mond ausweichen und sich dort ein Stück Land sichern.

Das jedenfalls versprechen Internet-Anbieter, die auf ihren Homepages Mondgrundstücke oder gar Areale auf dem Mars vertickern. So bietet mondshop.de zum Beispiel ein "Mondgrundstückspaket" an - mit Besitz-Urkunde und der "Lunar Constitution Bill of Rights", einer Art Mondverfassung. Bei mondland.de gibt es einen Acre - eine Fläche "größer als ein Fussballfeld", so der Anbieter - für 39,90 Euro. Zum gleichen Preis kann der Käufer aber auch auf Venus oder Mars ein Grundstück erwerben.

Auf www.lunarshop.de bietet Lunar Embassy einige "exklusiven Immobilien" an. Für 29.90 Euro erhält der Erwerber auf dem Mond eine "Parzelle in Größe eines halben Fußballfeldes mit garantiert unverstelltem Blick auf die Erde". Dies dürfte auch eines der derzeit entscheidenden Kriterien bei der Auswahl der Grundstücke darstellen, so lange der Grundstücks-Eigner sein Gelände nicht persönlich bebauen oder zumindest umzäunen kann.

Wem der Claim auf dem Erd-Trabanten zu teuer ist, findet günstigere Ausweich-Parzellen auf den allerdings etwas abseitiger gelegenen Planeten Mars, Venus und dem Jupiter-Mond Io. Den Quadratmeter dort verhökert Lunar Embassy für 0,007 Euro - ein nach eigenen Angaben "spottbilliges" Angebot. Der komplette Planeten Pluto steht aktuell mit 555.555,55 Euro in der Preisliste. Bei dieser Schnapszahl dürfte der ein wenig vernebelte Geist die Höchsttemperatur auf dem Planeten, die Lunar Embassy mit 223 Grad Celsius angibt, als sommerlich angenehm emfínden.

Analyse der Wertentwicklung

Angesichts der Fortschritte in der Weltraumfahrt könnten Spekulanten mit Parzellen auf Mond, Mars & Co. durchaus den Grundstein für einen immensen Wertzuwachs ihres Vermögens legen, auch unter dem Blickwinkel möglicher Rohstoff-Funde. Ob indes die Wertschöpfung bereits in diesem Jahrhundert zu realisieren ist und ob die spekulative Gewinn-Chance höher als beim Lotto-Spiel einzustufen ist, darüber wagen Analysten keine zuverlässigen Prognosen.

Immerhin investieren Prominente in diesen Markt. So zählt Lunar Embassy - nach eigenen Angaben der "weltweit einzig autorisierte Anbieter für extraterrestrischen Grund und Boden" - den US-Schauspieler Clint Eastwood und "zwei (nicht mehr amtierende) US-Präsidenten, deren Namen aus verständlichen Gründen jedoch vertraulich bleiben müssen", zu seinen Kunden. Anbieter mondshop.de, der auf Lunar Embassy verweist, scheut sich nicht, sie zu nennen: Jimmy Carter und Ronald Reagan.

Wem gehört der Mond?

Bleibt die Frage der Seriosität der Angebote von Himmelskörper-Parzellen. Erwirbt der Käufer tatsächlich Eigentum? "Die Rechtslage ist, vorsichtig ausgedrückt, umstritten", gibt Anbieter mondshop.de zu. Zwischenzeitlich hat es sogar einen Rechtsstreit um den Besitz des Mondes gegeben.

Dennis M. Hope ließ sich 1980 beim Grundbuchamt in San Francisco seine Besitzansprüche am Mond verbriefen. Alle die, die etwas dagegen haben könnten, verschliefen die acht Jahre Einspruchsfrist. Nicht einmal die USA, die immerhin als erste ihre Flagge in den Mondstaub pflanzten, legten Einspruch ein. Das tat indes 16 Jahre später der Deutsche Martin Jürgens. Der Rentner aus Westerkappeln sah sich als Mondbesitzer in Erbfolge seit 1756. Im Jahr 1996, als Hope seine Homepage eröffnete, trat Jürgens mit dem Anspruch auf, rechtmäßiger Besitzer des Mondes zu sein. Beweisführung: Er legte eine Urkunde vor, die belege, dass Friedrich der Große Aul Jürgens, einem Urahn der Familie, den Mond geschenkt habe.

Nach Angaben des Kölner Instituts für Luft- und Weltraumrecht, das diesen Rechtsstreit entscheiden sollte, gehört der Mond niemandem, das Weltall sei nicht territorial. Das Institut zitiert den Weltraumvertrag von 1967, nach dem der "Weltraum einschließlich des Mondes und aller anderen Himmelskörper keiner nationalen Aneignung unterliegt". Das kann die Internet-Anbieter nicht anfechten. Eine "Gesetzeslücke" habe er sich zunutze gemacht, heißt es bei mondshop.de: Der Weltraumvertrag verbiete es Regierungen, Territorialansprüche auf den Mond und andere Himmelskörper zu stellen. Von Privatpersonen und Industrieunternehmen sei indes keine Rede.

Sind die Grundstückskäufe notariell beglaubigt? Nein - "Das können Sie bei diesem Preis im Ernst auch nicht erwarten", schlägt mondshop.de entsprechende Sicherheits-Anfragen aus.

Wie auch immer - und das sei hier klar gesagt: Für die Seriosität der Anbieter oder die Rechtmäßigkeit der Geschäfte übernimmt die Redaktion selbstverständlich keine Gewähr.

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