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Pascal-Prozess: Erste Angeklagte spricht

Im Prozess um den Mord an dem fünfjährigen Pascal aus Saarbrücken hat eine Angeklagte gegen zwei Mitbeschuldigte schwere Missbrauchsvorwürfe erhoben.

dpa SAARBRÜCKEN. Im Prozess um den Mord an dem fünfjährigen Pascal aus Saarbrücken hat eine Angeklagte gegen zwei Mitbeschuldigte schwere Missbrauchsvorwürfe erhoben.

Die 51-Jährige sagte am Donnerstag aus, sie habe auf einem Video gesehen, wie einer der Angeklagten, ein 42-jähriger Mann, Pascal im Hinterzimmer einer Kneipe brutal vergewaltigt habe. "Der hat jämmerlich geschrien", erinnerte sich die Reinemachefrau vor dem Landgericht Saarbrücken. Das Video sei im Haus der Hauptangeklagten Christa W. während einer Frühstückseinladung gezeigt worden. Darauf sei auch zu sehen gewesen, wie ein weiterer Angeklagter (49) ein Mädchen missbraucht habe.

Die 51-Jährige gilt gemeinsam mit einer anderen, 40 Jahre alten Beschuldigten, als Hauptbelastungszeugin. Sie selbst wird unter anderem beschuldigt, beim Abtransport der Leiche von Pascal geholfen zu haben. Insgesamt 13 Mitglieder des mutmaßlichen Kinderschänder- Rings müssen sich seit Montag vor dem Schwurgericht wegen Mordes, schweren sexuellen Missbrauchs oder Beihilfe dazu verantworten. Der kleine Pascal ist seit 30. September 2001 verschwunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass er vergewaltigt und ermordet wurde. Seine Leiche wurde nie gefunden.

Die 51-Jährige will sich zu dem vermuteten Todestag von Pascal am Montag erstmals äußern. Sie ist vierfache Mutter und arbeitete nach dem Besuch der Hilfsschule überwiegend in verschiedenen Putzjobs, berichtete sie dem Gericht. Zudem war sie regelmäßiger Gast in der Saarbrücker Bierkneipe "Tosa-Klause", in deren Hinterzimmer Pascal und auch andere Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein sollen. Sie schilderte unter anderem, dass Pascal von seiner Schwester in der Klause "abgegeben" worden sei. Der Richter las ihr zudem frühere Aussagen vor, in denen die Angeklagte gesagt hatte, der Vater von Pascal habe von dem Missbrauch gewusst und ihn gebilligt.

Der Fünfjährige und die anderen Kinder hätten von der Wirtin Süßigkeiten bekommen, sagte die 51-Jährige mit stockender Stimme. Immer, wenn sie die Schreie des Kindes aus dem Hinterzimmer hörte, sei die Musik in der Kneipe lauter gedreht worden. An einem Tag habe sie auch einen Kneipen-Gast gesehen, der für den Sex mit Pascal der Wirtin 20 Mark bezahlt habe. Der Mann wurde bereits im Oktober vergangenen Jahres zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Er gilt wie die beiden aussagewilligen Frauen als geistig zurückgeblieben. Die zweite Hauptbelastungszeugin soll am Donnerstag in einer Woche gehört werden, der Prozess ist vorerst bis Ende des Jahres terminiert.

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