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Pascal-Prozess: Kindesmissbrauch kostete 20 Mark

Im Pascal-Prozess vor dem Saarbrücker Landgericht hat am Montag erneut ein Zeuge bestätigt, dass es in der früheren „Tosa-Klause“ regelmäßig zu Kindesmissbrauch gekommen sei. Er selbst habe dort über Monate hinweg Kinder missbraucht und dafür jeweils 20 Mark gezahlt.

dpa SAARBRÜCKEN. Im Pascal-Prozess vor dem Saarbrücker Landgericht hat am Montag erneut ein Zeuge bestätigt, dass es in der früheren "Tosa-Klause" regelmäßig zu Kindesmissbrauch gekommen sei. Er selbst habe dort über Monate hinweg Kinder missbraucht und dafür jeweils 20 Mark gezahlt.

Die Wirtin der Kneipe und Hauptangeklagte im Mordprozess, Christa W. (51) habe dies gezielt angeboten und dafür später bei den beteiligten Männern abkassiert. Laut Anklage ist der fünfjährige Pascal am 30. September 2001 getötet worden, während er im Hinterzimmer der Bierklause von mehreren Männern nacheinander vergewaltigt wurde.

Der psychisch gestörte 50-Jährige sagte am elften Prozesstag im Zeugenstand, er selbst habe über Monate hinweg Pascal und einen anderen kleinen Jungen in der Bierkneipe missbraucht und dafür bei Christa W. jeweils 20 Mark bezahlt. Die Wirtin habe ihn zuvor gefragt, ob er "Kinder mausen" wolle, gab er auf Nachfragen von Richter und Verteidigern stockend an. Hauptsächlich aus diesem Grund sei er drei Mal pro Woche in die Kneipe gegangen. Er wurde im Sommer zu sieben Jahren Haft wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt und statt in ein Gefängnis in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen.

In dem Prozess um einen der größten Kinderschänderskandale in Deutschland müssen sich seit September neun Männer und vier Frauen wegen Mordes, schweren sexuellen Missbrauchs oder Beihilfe dazu verantworten. Sechs von ihnen sind des Mordes an Pascal angeklagt. Christa W. gilt als Drahtzieherin und Hauptangeklagte. Wie neun weitere Beschuldigte verweigert sie vor Gericht die Aussage.

Nach übereinstimmenden Angaben der drei anderen Angeklagten wurde das Kind noch am Tag seines Verschwindens getötet. Die Leiche soll danach in einen blauen Müllsack gesteckt und in einer nahe gelegenen Kiesgrube verscharrt worden sein. Sie wurde jedoch nie gefunden.

Auch der 50-Jährige Zeuge hatte nach eigenen Angaben Pascal noch am vermutlichen Tattag missbraucht, war dann jedoch gegangen und zum wahrscheinlichen Todeszeitpunkt des Jungen nicht mehr dabei. Für das Verfahren mit bislang 84 benannten Zeugen sind bis zum Jahresende jeweils zwei Verhandlungstage wöchentlich terminiert. Es wird jedoch erwartet, dass weitere Termine angesetzt werden müssen.

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