Passagiere und Crew sandten per Handy letzte Lebenszeichen
Augenzeugin: "Wir sind entführt worden. Sie sind nett."

Die letzten Sätze lauren Grandcolas an ihre Mann: "Wir sind entführt worden. Sie sind nett. Ich liebe dich". Dann legte sie auf. Die Verkäuferin aus Kalifornien hatte sich ein paar Tage frei genommen, um bei der Beerdigung ihrer Großmutter in New Jersey dabei zu sein. Sie befand sich auf dem Heimweg im United-Airlines-Flug Nummer 93, als sie per Handy das letzte Mal mit ihrem Mann sprach. Wenig später stürzte die Maschine in Pennsylvania ab. Kampf an Bord eines der Flugzeuge

afp BOSTON. "Wie Lauren Grandcolas gelang es noch einigen anderen Passagieren und Besatzungsmitgliedern der vier von Terroristen gekaperten Maschinen, über Handy letzte Lebenszeichen zu senden. Aus einigen Anrufen können sich die Ermittler langsam ein Bild von dem blanken Horror an Bord der Maschinen machen.

Mit Rasiermessern und Teppichschneidern bewaffnet

Nach Angaben des "Boston Herald" waren die Entführer nicht mit Feuerwaffen ausgerüstet, sondern mit Rasiermessern, die sie im Handgepäck und in Kulturbeuteln versteckt hatten. Zumindest in einer der zwei entführten Maschinen, die in Boston gestartet waren, erstachen sie demnach zunächst einige Stewardessen, um den Piloten aus dem Cockpit zu locken und selbst die Steuerung zu übernehmen. Mehreren Passagieren sei es noch gelungen, mit ihrem Handy Angehörige oder den Notruf anzurufen. Ein Steward habe seine Vorgesetzten alarmiert, dass Luftpiraten zwei Kollegen erstochen hätten. Ihm sei es sogar gelungen, die Sitznummer von einem der Entführer durchzugeben.

Transponder ausgeschaltet - Kein Alarmcode gesendet

Nach Berichten der Zeitung "Christian Science Monitor" gelang es einem der Piloten der von Boston aus entführten Boeings, sein Mikrofon so einzustellen, dass der Kontrollturm das Gespräch im Cockpit mit anhören konnte. Demnach sagte einer der Luftpiraten sinngemäß auf Englisch: "Macht keinen Unsinn, Euch geschieht nichts", wie ein Fluglotse berichtete. Dieser will noch den Ausruf gehört haben: "Wir haben viele Flugzeuge, wir haben noch andere Flugzeuge", konnte sich aber daraus zunächst keinen Reim machen.

Kurze Zeit später habe der Pilot um eine Flugroute nach New York gebeten, dann sei der Transponder abgeschaltet worden. Dadurch habe der Pilot nicht mehr den Alarmcode für eine Entführung senden können und die Maschine sei für die Flugüberwachung nicht mehr zu identifizieren gewesen, berichtete der "Christian Science Monitor". Der Transponder reagiert normalerweise ständig auf ein Funksignal und lässt damit Aufschlüsse über Fluggesellschaft, Flugnummer, Geschwindigkeit und Flughöhe einer Maschine zu.

Für die Flugüberwachung nicht zu identifizieren

Auch bei dem Anschlag auf das US-Verteidigungsministerium wurde der Transponder der Boeing abgeschaltet, wie die "Washington Post" meldete. Dadurch sei die Maschine für die Flugüberwachung nicht zu identifizieren gewesen. Die Fluglotsen hätten auf ihren Radarschirmen lediglich gesehen, dass eine unbekannte Maschine mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Weißes Haus flog, bevor sie abdrehte und ins Pentagon stürzte. Dem Bericht zufolge flog das Linienflugzeug der American Airlines nach seinem Start vom Flughafen Washington-Dulles zunächst einige Zeit auf seiner eigentlichen Route nach Westen. Nach dem Ausfall des Transponders sei sie plötzlich umgekehrt und wieder nach Washington zurückgeflogen. Dieses Manöver und das Abschalten des Senders deuteten darauf hin, dass erfahrene Piloten am Werk gewesen seien.

"Was soll ich dem Piloten sagen?"

Die Luftpiraten in dem zum Pentagon gelenkten Flugzeug waren nach Berichten einer Passagierin ebenfalls lediglich mit Messern und Teppichschneidern bewaffnet. Der ehemaligen US-Generalstaatsanwältin Barbara Olson an Bord der Maschine war es gelungen, vor dem Absturz zwei Mal kurz ihren Mann anzurufen. Nach ihren Worten hatten die Kidnapper sämtliche Passagiere und den Piloten in den hinteren Teil der Maschine gebracht. Im zweiten Anruf fragte sie ihren Mann: "Was soll ich dem Piloten sagen?". Dann brach der Anruf ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%