Pasta-Riese verschmäht die Börse
Barilla setzt auf langfristigen Erfolg

Wichtige Entscheidungen werden in der Familie Barilla niemals übers Knie gebrochen. So haben sich die drei Brüder Guido, Paolo und Luca bereits seit dem letzten Sommer Gedanken über das deutsche Brot gemacht. Doch erst jetzt, nach reiflichem Überlegen, legten sie ein Übernahmeangebot für Europas größten Bäcker Heiner Kamps vor.

MAILAND. Dies könnte als Zauderei fehlinterpretiert werden, entspricht in Wirklichkeit aber der langfristigen Denkweise, die den Pastariesen aus der Schinkenstadt Parma kennzeichnet. Da passt es ins Bild, dass Barilla von dem angestrebten Deal keine schnellen Synergien erwartet. "Wir sind Unternehmer mit einem weiten Horizont", erläutert Guido Barilla.

Mit genau derselben Argumentation begründet der Präsident des Unter-nehmens auch die Tatsache, dass der weltweit aktive Konzern trotz eines Jahresumsatzes von zuletzt 2,4 Mrd. Euro und 8 000 Mitarbeitern nach wie vor nicht an die Börse gehen will. "Ich vertraue der Börse nicht, da sie einer anderen Dynamik unterliegt als wir. Die in der Nahrungsmittelindustrie notwendigen fünf- oder zehnjährigen Pläne sind nicht mit der Pflicht zur Quartalsberichterstattung vereinbar." Eine Unternehmensphilosophie, die Barilla indes nicht daran gehindert hat, in den letzten Jahren kräftig zu wachsen.

Vor allem bei Backwaren konnte der Konzern nicht zuletzt wegen vieler Akquisitionen eine führende Rolle erreichen. Als Schlüsseldeal für die Entwicklung des neben den Nudeln zweiten Geschäftsfeldes gilt die Übernahme des italienischen Backwarenherstellers Pavesi im Jahr 1992. Als noch wichtiger stellte sich 1999 der Kauf des schwedischen Knäckebrotspezialisten Wasa für rund 300 Mill. Euro heraus. Durch diese Akquisition schafften die Italiener auf einen Schlag den Sprung nach Mittel- und Nordeuropa, der ihnen mit eigenen Marken (z.B. Mulino Bianco) niemals gelungen ist.

Gleichzeitig entwickelte der Konzern das Geschäftsfeld Nudeln weiter. Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende weltweite Trend hin zu italienischen Nahrungsmitteln gab auch Barilla viel Rückenwind. Eine massive Werbekampagne mit Tennis-Star Steffi Graf löste Anfang der 90er-Jahre auch bei den Deutschen wachsende Pasta-Begeisterung aus. In den USA - dem nach Italien zweitwichtigsten Markt für Farfalle und Co. - hat der Konzern in der Zwischenzeit mit einem Anteil von 13 Prozent die Marktführerschaft erobert. Dennoch sind die Nudeln heute mit einem Umsatzanteil von rund 40 Prozent für Barilla nur noch zweitrangig. Die Backwaren haben sich mit 60 Prozent als wachstumsstärker erwiesen. Als weiteres Geschäftsfeld könnten künftig noch italienische Schnellrestaurants hinzukommen, die Barilla gemeinsam mit einem Gastronomie-Partner in ganz Europa eröffnen will. Das Unternehmen bestätigte gestern entsprechende Gerüchte.

Sollte die Übernahme von Kamps gelingen, würde das 1870 gegründete italienische Traditionsunternehmen in neue Dimensionen vorstoßen. Wie der ebenfalls in Parma ansässige Parmalat-Konzern befände sich Barilla plötzlich in der Riege der weltweit größten Nahrungsmittelhersteller. Um den Herausforderungen organisatorisch gewachsen zu sein, hat die Familie bereits Anfang letzten Jahres in weiser Voraussicht die Pasta-Sparte von der Back-Sparte getrennt.

Quelle: Handelsblatt

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