Pastrana spricht von Durchbruch
Kolumbien: Friedensprozess in letzter Minute gerettet

Nach intensiver internationaler Vermittlung ist der Friedensprozess in Kolumbien in letzter Minute gerettet worden. Die größte Guerilla-Organisation des Landes erklärte am Montag im Anschluss an Gespräche mit dem UN-Sondergesandten James LeMoyne und zehn Botschaftern amerikanischer und europäischer Staaten, sie sei zur Fortsetzung der Verhandlungen mit der Regierung bereit.

ap LOS POZOS. Daraufhin stoppte Präsident Andres Pastrana das Ultimatum an die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) 30 Minuten vor dessen Ablauf. Pastrana sprach am Montagabend in einer Fernsehansprache von einem Durchbruch. Er kündigte den sofortigen Beginn weiterer Verhandlungen an und forderte die FARC zu konstruktivem Verhalten auf. Kurz zuvor hatten sich die Rebellen in der von ihnen kontrollierten, so genannten Sicherheitszone im Süden des Landes mit den internationalen Vermittlern geeinigt. Der französische Botschafter Daniel Parfait verlas in dem Dorf Los Pozos eine Erklärung der FARC, in der diese die Rückkehr an den Verhandlungstisch versprachen.

Pastrana kündigte an, er habe seinen Unterhändler Camilo Gomez angewiesen, sofort mit den Gesprächen zu beginnen. Dieser begrüßte die Ankündigung der FARC als wichtigen Schritt und nannte als vorrangiges Ziel den raschen Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens. Außerdem erwarte man die Zusage der Guerilla, künftig auf Entführungen und Überfälle auf die Zivilbevölkerung zu verzichten. Gomez verwies jedoch auf die spärlichen Resultate der dreijährigen Verhandlungen und betonte, die neuen Gespräche müssten mit mehr Nachdruck geführt werden. Die Regierung teilte später mit, die Verhandlungen sollten am Mittwoch fortgeführt werden.

Kolumbianische Eliteeinheiten standen am Montag schon bereit, mit Unterstützung von Panzern und Kampfhubschraubern in die Sicherheitszone einzurücken. Die Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenzlinie feierte den Stopp des Ultimatums. Etwa 200 Menschen, die in Los Pozos für Frieden demonstrierten, brachen in Jubel aus. In der Stadt Mesetas außerhalb der Zone wurden die Kirchenglocken geläutet.

Pastrana hatte kurz nach Amtsantritt vor drei Jahren den FARC die Sicherheitszone von der Größe der Schweiz zugesprochen, um die Rebellen zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Am Wochenende hatten beide Seiten die Gespräche für gescheitert erklärt und sich gegenseitig die Schuld zugewiesen. Pastrana hatte den FARC eine Frist zur Räumung des Gebiets bis Montagabend 21.30 Uhr Ortszeit gesetzt.

Die USA, die Kolumbien mit Militärhilfe in Milliardenhöhe unterstützen, beteiligten sich nicht an der internationalen Vermittlung. Außenamtssprecher Richard Boucher erklärte aber in Washington, die US-Regierung unterstütze die Entscheidungen Pastranas.

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