Patentstreit um Magenmedikamente vor der Entscheidung
Bittere Pillen für Astra Zeneca

Investoren beäugen das Papier bereits kritisch. Die Astra-Zeneca-Aktie wurde schon in den vergangenen Wochen abgestraft, nachdem es Rückschläge bei zwei viel versprechenden neuen Medikamenten gegeben hatte. Im April notierte Astra-Zeneca noch über 36 Pfund, inzwischen liegt der Kurs gut 40 Prozent darunter.

LONDON. Seine Medikamente Prilosec und Nexium könnten dem britischen Pharmakonzern Astra Zeneca noch schwer im Magen liegen. Die Konkurrenz wartet schon gespannt auf das Urteil eines US-Bezirksgerichts im Patentstreit um das Magenmittel Prilosec. Die Entscheidung darüber, ob die Wettbewerber Nachahmerprodukte des gewinnträchtigen Magenmittels auf den Markt bringen dürfen, soll in diesen Tagen fallen. Viele Beobachter erwarten, dass Astra Zeneca den Rechtsstreit verlieren wird. Das würde die Gewinne, die das britische Unternehmen mit der violetten Magenpille erzielt, empfindlich schmälern. So steht einiges auf dem Spiel: Vergangenes Jahr brachte Prilosec Astra Zeneca 5,7 Mrd. $ (5,81 Mrd. Euro) Umsatz. Das waren rund 35 % der Konzerneinnahmen.

Und damit nicht genug: Auch die Rechte an dem Nachfolgemedikament Nexium könnten von der Entscheidung betroffen sein. Zwei so genannte Formulierungspatente auf die Zusammensetzung der Kapsel gelten auch für Nexium. "Bei einer negativen Entscheidung kommt also auch dieses Medikament in die Schusslinie der Generika-Hersteller", warnt Mark Purcell, Analyst beim Finanzhaus Bank Securities. Der Analyst ist zwar überzeugt, dass Nexium durch weitere Patente auf Jahre vor der Nachahmung bewahrt werden kann, "aber die Märkte sehen das anders", sagt Purcell.

Tauchen mittelfristig tatsächlich Nachahmerprodukte auf, könnte das den Kurs der Astra-Zeneca-Aktie um bis zu 14 % drücken, schätzt der Analyst.

Investoren beäugen das Papier bereits kritisch. Die Astra-Zeneca-Aktie wurde schon in den vergangenen Wochen abgestraft, nachdem es Rückschläge bei zwei viel versprechenden neuen Medikamenten gegeben hatte. Im April notierte Astra-Zeneca noch über 36 Pfund, inzwischen liegt der Kurs gut 40 Prozent darunter.

Generika-Hersteller wie Andrx aus Florida, die deutsche Schwarz Pharma, der Merck-Ableger Genpharm oder die indische Reddy-Cheminor sind der Ansicht, dass die Patente ungültig sind. Andrx steht schon in den Startlöchern. Das US-Unternehmen hat bereits die Zulassung für den in Prilosec enthaltenen Wirkstoff Omeprazol. Entscheiden die Gerichte gegen Astra Zeneca, hätte Andrx 180 Tage lang die Exklusivrechte am Verkauf eines Nachahmerproduktes.

Der Rechtsstreit beschäftigt die Gerichte seit Dezember. Drei Patente von Astra Zeneca wurden schon für ungültig erklärt; bei einem weiteren stellten die Richter keine Verletzung des Patentschutzes fest.

Astra-Zeneca hat bei seinen vorsichtigen Gewinnprognosen bereits eingerechnet, dass Ende des Jahres Prilosec-Generika auf den Markt kommen. Doch für manche ist der Ausgang des Rechtsstreits noch nicht ausgemacht: So hat die Bank die Aktie erst kürzlich hochgestuft. Der Grund: Die Analysten glauben, dass der Markt die Gefahr einer gerichtlichen Niederlage Astra Zenecas überschätzt hat.

Auch wenn der Ausgang noch offen ist: Die Generika-Hersteller lassen sich nicht in die Karten schauen, ob sie bei Nexium zuschlagen, falls sie gewinnen. "Ich sage weder ja noch nein", gibt sich Andrx-Chef Elliott Hahn vage.

Auch andere große Pharmahersteller wurden in der Vergangenheit schon von Generika-Produzenten attackiert. Aufsehen erregte im vergangenen Jahr der Streit um die Patentrechte an Plavix, einem Medikament gegen Schlaganfälle des französischen Pharmariesen Sanofi-Synthélabo. Auch hier steht eine Entscheidung noch aus. Derweil lastet die Unsicherheit auf dem Kurs der französischen Aktie. Bereits bei Bekanntwerden des Patentstreits war das Papier an einem einzigen Tag um 8 % abgestürzt.

Im Fall des Magenmittels Nexium könnte sich der Angriff der Generika-Produzenten lohnen. Astra Zeneca unternahm große Anstrengungen, um die Patienten von Prilosec auf Nexium umzustellen. Allein im ersten Halbjahr 2002 fuhr Astra-Zeneca 830 Mill. $ Umsatz mit dem neuen Medikament ein. Wenn es nicht von Nachahmer-Produzenten bedrängt wird, könnte das Mittel nach Meinung der Analysten auf dem Höhepunkt des Produktzyklus 2008 jährliche Einnahmen von 3 Mrd. bis 6 Mrd. $ erzielen.

"Die Generika-Hersteller haben nichts zu verlieren", findet der Londoner Morgan-Stanley-Analyst Andrew Baum. "Wenn es darum geht, ein milliardenschweres Medikament zu erobern, sind ein paar Millionen Dollar Gerichtskosten nicht viel."

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