„Patient“ BVB unter Druck - Stuttgart auf Euphoriewelle
„Herbstmeister" wäre für Bayern wie Medizin

Der Titel "Herbstmeister" ist zwar ein Muster ohne Wert - für den FC Bayern München aber ein Machtbeweis nach krisenhafter Zeit. "Wir wollen nicht nur den Titel, wir wollen auch die Herbstmeisterschaft", erklärte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. Und das am liebsten am 15. Bundesliga-Spieltag mit einem Heimsieg über Hertha BSC.

HB/dpa DÜSSELDORF. Dass 26 der 39 Herbstmeister am Ende auch ganz oben standen, gibt dem Rekordchampion zusätzlichen Rückenwind auf dem Weg zum 18. Titel.

Allerdings will Hertha BSC, das am Mittwoch 2:1 im Uefa-Cup gegen den FC Fulham gewann, gegen die ausgeruhten und in Bestbesetzung antretenden Bayern kein Punktelieferant sein. "Gegen Fulham haben wir uns zurückgemeldet, jetzt wollen wir die Münchner schlagen", kündigte der Wahl-Berliner Marcelinho an. Der Brasilianer glaubt zudem nicht, dass die mit einem Sechs-Punkte-Abstand an der Spitze stehenden Bayern uneinholbar davon gedribbelt sind: "Zwei, drei Niederlagen hat man sich schnell eingefangen." Immerhin hat sich Eintracht Frankfurt 1993/94, nach dem 15. Spieltag noch mit acht Zählern vorn, den greifbaren Titel noch abjagen lassen - vom FC Bayern.

Wer den Münchner dicht auf den Fersen bleibt, entscheidet sich im zweiten Spitzenspiel zwischen den Verfolgern Werder Bremen und VfB Stuttgart. "Wir werden auch für Bremen ein unangenehmer Gegner sein. Für einen Einbruch gibt es keine Anzeichen", meinte VfB-Trainer Felix Magath. Dessen "Schwabenpfeile" kommen nach einer Serie von sieben Punktspielen ohne Niederlage und dem 2:1 im Uefa-Cup gegen den FC Brügge auf einer Euphoriewelle an die Weser. "Die Schwaben werden bei uns mit breiter Brust spielen", sagte Werder-Coach Thomas Schaaf und warnt: "Im Hurra-Stil können wir gegen den VfB nichts erreichen."

Mit einem Sieg würde sich sowohl Bremen als auch Stuttgart in der Spitze bis zur Winterpause festsetzen. Aufschließen möchte hingegen Schalke 04, das allerdings bei Hannover 96 nicht so viele Chancen vergeben darf wie beim 1:1 bei Wisla Krakau. "Jetzt ist es wichtig zu beißen, um bis Weihnachten so viele Punkte zu haben, damit es im neuen Jahr richtig Spaß macht", sagte Schalkes Torjäger Ebbe Sand.

Richtig ernst betrachtet man bei dem auf Rang vier abgesackten Meister Borussia Dortmund die Lage. "Wir stehen in der Bundesliga gewaltig unter Druck, da wir zuletzt dort nur Mittelmaß abgeliefert haben", erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor dem Gastspiel beim 1. FC Nürnberg. "Dort werden wir sehen, ob der Patient den ersten Schritt aus dem Krankenbett getan hat." Dass der BVB in Zugzwang ist, sieht Franken-Trainer Klaus Augenthaler als Vorteil: "Sie müssen gewinnen, um an den Bayern dran zu bleiben. Das ist ja fast schon so etwas wie die letzte Chance für Borussia."

Um nicht noch tiefer in die Gefahrenzone zu rutschen und noch mehr Sympathien zu verlieren, ist Vizemeister Bayer 04 Leverkusen gegen den Hamburger SV zum Sieg verdammt. "Wir brauchen die drei Punkte, um Anschluss ans Tabellen-Mittelfeld zu finden", hofft Bayer-Trainer Klaus Toppmöller mit dem "Esprit der ersten Halbzeit" des Spiels gegen den FC Barcelona (1:2) den dritten Heimsieg zu schaffen. Zum "wichtigsten Spiel der Saison" deklarierte Trainer Peter Neururer vom VfL Bochum das Aufsteiger-Duell mit Arminia Bielefeld. Ein Sieg wäre für ihn fast eine Vorentscheidung im Kampf um den Klassenverbleib. Doch die auswärts bisher sieglosen Ostwestfalen wollen sich wehren. "Wir wollen in Bochum punkten", so Armina-Coach Benno Möhlmann.

Beim Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern versucht man derweil mit dramatischen Appellen ein Aufbäumen gegen den Abstieg zu provozieren. "Das Schicksal des Vereins liegt in den Händen der Spieler", sagte Trainer Erik Gerets vor dem Treffen mit dem VfL Wolfsburg. Allerdings plagen die Pfälzer in diesem "Kampf ums Überleben" Verletzungssorgen: So mussten Nationalspieler Miroslav Klose, Aleksander Knavs und Torwart Georg Koch in dieser Woche Trainingspausen einlegen.

Der Vorletzte Energie Cottbus will in den letzten drei Spielen vor der Winterpause noch die Basis für den Absprung aus der Abstiegszone schaffen. Die ersten Zähler zum 14-Punkte-Ziel sollen gegen 1860 München geholt werden. "Mit einem Sieg gegen 1860 sind wir wieder im Geschäft", glaubt Kapitän Christian Beeck. Mit einer Niederlage würde für Gastgeber Hansa Rostock genauso das große Zittern wieder beginnen wie bei Borussia Mönchengladbach. Die Hansestädter, seit neun Spielen ohne Sieg, konnten jedoch bisher zu Hause nur ein Mal gewinnen.

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