Paul Tergat - Auf Umwegen zum Sieg
Weltrekord beim Marathon in Berlin

Der Kenianer Paul Tergat hat den 30. Berlin-Marathon in der Fabelzeit von 2:04:55 Studen gewonnen und damit einen Weltrekord aufgestellt. Selbst ein kleiner Umweg vor dem Brandenburger Tor konnte ihn von seinem Vorhaben nicht abbringen. Er unterbot wie angekündigt die Bestmarke von Khalid Khannouchi (USA/2:05:38), dem Tergat in jenem Lauf vor anderthalb Jahren in London um zehn Sekunden unterlegen war.

HB BERLIN. "Das hat mich damals schon etwas geärgert, und ich bin glücklich, dass ich mir heute den Weltrekord holen konnte. Darauf hatte ich meine ganze Vorbereitung ausgerichtet", sagte der fünfmalige Cross- Weltmeister, der das Ziel nur eine Sekunde vor seinem als Tempomacher verpflichteten Landsmann Sammy Korir erreichte. Lohn der Mühen waren neben dem (unbekannten) Antrittsgeld die Siegprämie von 30 000 Euro sowie 50 000 Euro Bonus für den Rekord.

Erste Gratulantin bei Tergat war seine Ehefrau Monica, die ihren Mann in Berlin wie zu allen wichtigen Rennen begleitete und direkt nach dem Zieleinlauf in die Arme schloss. Zuvor hatte Frau Tergat noch eine Schrecksekunde zu überstehen: 20 Meter in Führung liegend wusste der Spitzenreiter nicht, welchen Bogen er durch das Brandenburger Tor wählen musste. Er nahm nicht den kürzesten Weg, so dass der eigentlich schon abgehängte Korir noch bis auf eine einzige Sekunde heran kam. "Es gab keine so genannte Stallorder, am Schluss sollte der Beste gewinnen", erklärte Tergat. "Ich muss auch meinen Landsleuten danken. Sie haben mir geholfen, mein Vorhaben umzusetzen."

Berliner Paukenschlag

Tergat hatte sich mit Vorjahressieger Raymond Kipkoech, sechs weiteren Kenianern sowie zwei japanischen Läufern schon auf den ersten Kilometern vom großen Pulk abgesetzt. Bei idealem Rennwetter und Windstille wurde die Hälfte der Distanz von der Spitze in 1:03:01 Stunden bewältigt. Danach verschärften Tergats "Edelhasen" Korir und Titus Munji, der am Ende Dritter wurde, das Tempo. Vorjahressieger Kipkoech, der nach einer langwierigen Verletzung erst im Juli wieder ins Training einsteigen konnte, musste den Kontakt abreißen lassen.

Mit dem Berliner Paukenschlag hat Paul Tergat, der mit 59:06 Minuten auch die Weltbestzeit im Halbmarathon hält, endlich seinen ersten Sieg in einem wirklich großen Rennen unter Dach und Fach gebracht. Die fünf Titel als Crossweltmeister und die beiden Goldmedaillen bei der Halbmarathon-WM wurden zuvor längst nicht so registriert wie seine Aufsehen erregenden Niederlagen auf der Bahn.

Bei den Olympischen Spielen von 1996 und 2000 unterlag Tergat über 10 000 m jeweils nach packenden Spurts dem Äthiopier Haile Gebrselassie, der ihm am 1. Juni 1998 in Hengelo mit 26:22,75 Minuten auch den am 22. August 1997 in Brüssel gelaufenen Weltrekord (26:27,85) über die 25 Stadionrunden entriss. Auch bei seinen bisherigen fünf Starts auf der Marathonstrecke konnte Tergat nie als Erster das Ziel erreichen, hielt aber nach dem Londoner Lauf 2002 immer noch die zweitbeste Zeit auf den 42,195 Kilometern.

Bei den Frauen fehlte in diesem Jahr die große Favoritin. Am Ende sicherte sich die Japanerin Yasuko Hashimoto, die erst in diesem Jahr ihr Marathon-Debüt bestritten hatte, in ihrem dritten Lauf über diese Distanz in 2:26:32 Stunden den Sieg vor Emily Kimuria aus Kenia und Ornella Ferrara aus Italien.

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