Pay-TV-Chef Kofler verspricht Übernahme bis Jahresende
Investoren nehmen Premiere ins Visier

Premiere bekommt schon bald neue Besitzer. Ein halbes Dutzend Finanzinvestoren nehmen das angeschlagene Bezahlfernsehen unter die Lupe. Premiere-Chef Kofler sagte, die Übernahme sei bis Jahresende perfekt.

MÜNCHEN. Die Rettung des defizitären Pay-TV-Kanals Premiere kommt voran. "Die Suche nach Investoren läuft ausgesprochen erfreulich und ermutigend", sagte Premiere-Chef Georg Kofler gestern dem Handelsblatt. Es gebe mehr als ein halbes Dutzend Interessenten aus Europa, freut sich der TV-Manager. Der direkte Einstieg von Hollywood-Studios, über den lang spekuliert wurde, ist derzeit offenbar kein Thema mehr. Die meisten der potenziellen Käufer seien Finanzinvestoren, so Kofler.

Einige der Interessenten würden schon die Bücher und Verträge des verlustreichen Bezahlsenders im Münchener Vorort Unterföhring prüfen. "Zugang zu unserem Datenraum erhalten aber nur diejenigen, die bereits die Höhe eines Angebots ins Spiel gebracht haben", betonte Kofler. Eine Entscheidung über den neuen Besitzer soll noch in diesem Jahr fallen. Kofler hatte den künftigen Wert von Premiere zuletzt auf 2 bis 3 Mrd. Euro beziffert. Er ging dabei allerdings von kräftig fallenden Verlusten und stark steigenden Abonnentenzahlen aus.

Premiere war im Frühjahr in den Strudel der Kirch-Krise geraten. Allerdings musste der Sender selbst keine Insolvenz anmelden, sondern nur die Dachgesellschaft Kirch Pay TV. Um überleben zu können braucht der Kanal aber möglichst schnell frisches Kapital, da die Überbrückungsfinanzierung der Banken nur bis Herbst reicht. Mit dieser Zeitangabe bleibt Kofler bewusst ungenau.

Der frühere Pro-Sieben-Chef und Kirch-Zögling Kofler kämpft deshalb an allen Fronten, um das seit seiner Gründung defizitäre Bezahlfernsehen aus den roten Zahlen zu führen. Erster Erfolg: Bei der Werbung neuer Abonnenten kommt Kofler voran. "Wir haben im August über 50 000 neue Abonnenten gewonnen , mehr als in irgendeinem August in der Geschichte von Premiere", sagte Kofler stolz. Auch die Zahl der Kündigungen gehe zurück. Laut Kofler zählt Premiere derzeit 2,41 Mill. Abonnenten. Bis Jahresende sollen es 2,5 Mill. sein. Koflers ehrgeiziges Ziel: "2004 wollen wir schwarze Zahlen schreiben." Bereits im nächsten Jahr käme man in die Nähe eines operativen Gewinns, verspricht der stets optimistische Südtiroler den Investoren.

Premiere gehörte bisher zum Medienimperium von Leo Kirch. Nach der Insolvenz aller Kirch-Dachgesellschaften steht das Bezahlfernsehen nun auf eigenen Füßen. Derzeit schreibt das Unternehmen mit 1 400 Mitarbeiter noch einen Verlust von rund 1 Mill. Euro täglich. 1 000 Mitarbeiter mussten bereits gehen, um die Kosten zu drücken.

"Bei der Liquidität laufen wir in keinen unmittelbaren Engpass", ist sich Kofler sicher. "Wir haben daher mit der Investorensuche keine Hektik. Außerdem melden sich immer noch neue Interessenten." Die Suche nach Gesellschaftern für Premiere wird organisiert von der Investmentbank Morgan Stanley, die vor einem Monat rund 20 Verkaufsprospekte versandt hat.

Premiere will die Kostenschraube vor allem im Programm-Einkauf weiter nach unten drehen. Insbesondere neue Filme müssen billiger werden. Doch auch hier gibt es erste Erfolge - in den Verhandlungen mit den Hollywood-Produzenten geht es offenbar voran. "Wir sind mit allen Studios in sehr guten Gesprächen", so der Manager. Erst vor wenigen Wochen erzielte Kofler mit den Universal Studios nach jahrelangen Streitereien einen Abschluss. "Der Deal mit Universal war für uns extrem wichtig, denn deren Blockbuster sind für das Programm unerlässlich." Zuvor einigte sich Premiere bereits mit Fox und Dreamworks. Wann die Gespräche mit weiteren wichtigen Filmlieferanten wie Warner Bros. oder Disney abgeschlossen sein werden, wollte Kofler nicht sagen.

Er nützt derzeit die schlechte Lage auf dem Filmrechte-Markt. Angesichts fallender Werbeeinnahmen halten sich öffentlich-rechtliche und private Sender beim Filmeinkauf zurück. Die Studios sind daher auf den Vertriebsweg Pay-TV mehr als früher angewiesen.

Das harte Sparprogramm, das Kofler seit seinen Amtsantritt im Februar, fährt, wird in allen Bereichen fortgesetzt. So wird das hauseigene Call-Center in Augsburg verkauft. Mit einem so genannten Management-Buy-Out, das heißt einem Verkauf an das Management, sollen die 200 Arbeitsplätze in Augsburg aber gerettet werden.

Die Kreditgeber von Premiere beobachten die Investorensuche derzeit gelassen. Dass der Verkauf nach außen hin sehr ruhig ablaufe, deute auf ein professionelles Vorgehen hin, hieß es gestern bei Bankern in München. Neben einem Überbrückungskredit von 100 Mill. Euro steht der Sender mit 750 Mill. Euro bei der Bayerischen Landesbank, der österreichischen Bawag und der Hypo-Vereinsbank in der Kreide. Im Gegensatz zur Investorensuche bei Kirch Media sei die der Verkaufsprozess bei Premiere besser vorbereitet worden.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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