Pay-TV-Sender profitiert kaum von zeitlicher Exklusivität
Für Kirch geht es um Premiere World

Wenn die Kirch-Gruppe die Fußball-Sendung "ran" bereits nach wenigen Wochen wieder verlegen will, dann kann es nach Ansicht von Experten auch um den Pay-TV-Sender Premiere World nicht gut bestellt sein: "Da SAT.1 so schnell nachgibt, muss man annehmen, dass die zeitliche Exklusivität für Premiere World nicht viel gebracht hat", meinte am Montag Horst Röper, Geschäftsführer des Dortmunder Medieninstituts Formatt.

dpa HAMBURG. Offiziell dümpelt Kirchs hoch defizitärer Bezahlsender, dessen Bundesliga-Liveberichterstattung von der "ran"-Verlegung profitieren sollte, bei etwa 2,4 Mill. Abonnenten. Genaue Zahlen nennt die Kirch-Gruppe derzeit nicht.

Zwar war am Wochenende der Druck auf die Kirch-Gruppe nochmals gewachsen, wegen der katastrophalen Quoten und der unzufriedenen Werbekunden "ran" einen neuen Sendeplatz zu verschaffen. Doch Röper glaubt: "Wenn bei Premiere World die Abozahlen deutlich hochgingen, dann könnte bei SAT.1 die Bude brennen." Sprich: Für den Kirch- Konzern sind die Verluste des mit Milliarden hoch gepäppelten Bezahlsenders Premiere World, der nach den früheren Planungen schon 3 Mill. Abonnenten haben sollte, weit schmerzlicher als geringere Werbe-Einnahmen bei SAT.1 wegen des "ran"-Flops.

Hardy Dreier vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg meinte: "Kirch muss auf alle Fälle versuchen, seine Kernmarke Premiere World zu schützen, damit sie nicht von "ran" kannibalisiert wird." Der Medienforscher hält es für unwahrscheinlich, dass "ran" bei einer Verlegung wieder im alten Gewand der letzten Saison präsentiert wird. Möglicherweise werde es noch mehr Füllmaterial wie Interviews statt Spielberichte geben.

Geteilte Ansichten über Chancen des Bezahlfernsehens

Kurzfristig sehe das TV-Geschäft mit dem Bundesliga-Fußball, für das Kirch jährlich 750 Mill. DM (383 Mill. Euro) zahlt, wie ein "Desaster" aus. Man müsse jedoch abwarten, wie sich die Abonnentenzahlen beim defizitären Bezahlsender Premiere in den kommenden Monaten entwickelten. Langfristig sieht Medienökonom Dreier die Lage für Kirch nicht ganz pessimistisch. Es bleibe unklar, ob es Kirch gelinge, die Deutschen zum Zahlen fürs Fernsehen zu überzeugen. Angesichts der Milliardeninvestitionen in das Pay-TV- Geschäft sei der Konzern jedoch am "Point of no Return" angekommen. "Jetzt muss Kirch durchhalten."

Röper glaubt dagegen nicht, dass Kirch mit dem Bezahlfernsehen jemals seine Anlaufverluste wieder hereinholen wird. "Ich bin auch skeptisch, ob er jemals im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreibt", sagte der Forscher. Die Situation in Deutschland mit der Vielzahl an Programmen sei ganz anders wie etwa in Großbritannien.

Ausstiegsklausel für Rupert Murdoch

Kirch hat auch noch ein anderes Problem: Der angloamerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch, mit 22 % an Premiere World beteiligt, hat sich in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel vorbehalten. "Dies hängt wie ein Damoklesschwert über Kirch", urteilt Röper. Murdoch hat zwar sein Engagement bis Ende 2002 verlängert. Doch falls die Abozahlen auch künftig nicht stimmen sollten, müsste Kirch die Murdoch-Anteile für 2,5 Mrd. DM übernehmen.

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