Pay-TV-Sender profitiert von der Krise der Konkurrenz
BSkyB bald auf allen Kanälen

Einer ist immer schon da: Pay-TV-Anbieter BSkyB, mit mehr als sechs Millionen Abonnenten Marktführer in Großbritannien, wird längst nicht mehr nur per Satellit verbreitet. Geschickt hat Firmenchef Tony Ball die Schwäche der Kabelkonkurrenz genutzt - er setzt auf die Antenne. Das Ziel: Alle britische Haushalt sollen bald Sky empfangen.

LONDON. Die Medienbranche in Europa leidet unter dem flauen Anzeigenmarkt, doch ein Sender profitiert von der Krise: Der von Rupert-Murdoch kontrollierte britische Anbieter BSkyB. Anders als die frei empfangbaren Fernsehkanäle ist der Marktführer in Sachen Bezahlfernsehen nicht so stark abhängig vom Anzeigengeschäft. Zum anderen hat der Sender in den vergangenen Monaten von der schwächelnden Konkurrenz so viele Kunden übernommen wie noch nie zuvor.

Tony Ball, Chef der British Broadcasting Group plc (BSkyB), kann sein Glück gar nicht richtig fassen: "Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass es die größte Krise am Anzeigenmarkt seit den fünfziger Jahren geben und dass unser einziger echter Wettbewerber in England verschwinden wird - dann hätte ich nur gelacht."

Jetzt hat Ball wirklich gut Lachen. Denn vor allem die Pleite von ITV Digital hat dem smarten Manager, der als enger Vertrauter von Murdoch dessen Speerspitze in Europa bildet, einen unerwarteten Zulauf beschert. BSkyB hat erstmals mehr als sechs Millionen Abonnenten erreicht, jeder vierte Haushalt ist somit auf der Insel bereits ein direkter Kunde. Damit ist Ball seinem Ziel von sieben Millionen Abnehmern bereits sehr nahe.

Doch der BSkyB-Chef will mehr: Alle britischen Haushalte sollen in einigen Jahren mit einem der 350 Sky-Programme berieselt werden. "Jeder, der in Großbritannien Fernsehen schaut, wird mit Sky in Berührung kommen", so die Prognose des gelernten Fernsehingenieurs. Hilfe kommt von der Regierung in London, die alles daran setzt, als erstes Land in Europa bis 2010 das analoge Fernsehen ganz abzuschalten. Schon heute können 40 % der britischen Haushalte digitales Fernsehen empfangen - per Satellit von BSkyB oder per Kabel von NTL oder Telewest. Die beiden Kabelfirmen stecken allerdings in schweren finanziellen Nöten und können kaum noch aktiv am Markt mitmischen. Um ihre Angebote etwas attraktiver zu machen, haben sie schon lange Sky-Kanäle im Angebot.

Und nach der Pleite des einst als BSkyB-Konkurrent angetretenen Senders ITV Digital, der digitales Fernsehen per Antenne (DTT) anbot, hat Ball schnell reagiert. Mit der BBC schloss BSkyB eine Partnerschaft, gemeinsam ergatterte man die frei gewordene DTT-Lizenz. Appetithäppchen wie Sky News und Sky Sports News sollen die Briten ab Herbst über Antenne auf den Geschmack bringen - für mehr Pay-Kanäle und interaktives Fernsehen.

Ball hat eine mächtige Position. Ob Schüssel, Kabel oder Antenne - BSkyB, an dem Murdochs News Corp. 36,6 Prozent hält, sitzt überall mit ihm Boot. "Wir versuchen in allen Märkten zu sein", sagt Ball und schließt einen Einstieg beim Bertelsmann-Sender Channel 5 nicht mehr aus. "Warum sollten wir nicht andere frei empfangbare Sender übernehmen?", fragt der Manager.

Das große Geschäft liegt für ihn aber zunächst im Pay-TV. Wie Handys und Videorecorder werde auch der Decoder für das digitale Fernsehen in zehn Jahren zur Grundausstattung einer Wohnung gehören. Die neue Set-Top-Box, die Sky 2003 auf den Markt bringt, werde unter 200 £ (300 Euro) kosten. Dann soll auch der BSkyB-Umsatz die Grenze von drei Mrd. £ überschritten haben.

Daran zweifelt in London momentan kaum jemand: Umsatz und operativer Gewinn von BSkyB stiegen im letzten Geschäftsjahr jeweils um 20 % auf rund 2,8 Mrd. £ bzw. 192 Mill. £.

Auf der Kostenseite werden die Fußballclubs die neue Sky-Macht zu spüren bekommen. Die meisten Sportverträge müssen 2005 neu verhandelt werden. Ball?s klares Ziel: Preise drücken.

Nur das misslungene Engagement beim Kirch-Kanal Premiere hat den Briten das Ergebnis vor Steuern kräftig verhagelt. BSkyB werde auf dem deutschen Markt auf keinen Fall mehr Geld verbrennen, sagt Ball. Auch dabei kann er lachen: Ihm war dieses Murdoch-Investment stets ein Dorn im Auge.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%