PDA-Hersteller rangeln um Business-Anwender
Die Computer-Zukunft liegt auf der Hand

Einst waren sie nur bessere Adressbücher. Doch die mobilen Personal Digital Assistants (PDA) treten zunehmend in Konkurrenz zu ausgereiften Laptops. Vor allem der drahtlose Zugang ins Internet macht PDA zu nützlichen Helfern. Allerdings wirft die Einbindung ins Firmennetz noch Sicherheitsfragen auf.

HB DÜSSELDORF. Personal Digital Assistants mit Terminkalender und Adressbuch, mittlerweile aber auch Mail-Funktion und drahtlosem Internet-Zugang werden häufig noch als nützliches Spielzeug belächelt. Dabei eignen sich die Kleincomputer durchaus als Baustein der Unternehmens-IT. "In Europa sehe ich große Potenziale in Unternehmen", meint Gartner-Group-Analystin Roberta Cozza. Im Moment konkurrieren drei Plattformen um die Gunst der Kunden.

Nummer eins ist der Marktführer Palm, der in Europa immerhin jedes vierte Gerät verkauft. Auf dem Palm-Betriebssystem basieren auch Geräte von Sony und Handspring, die jedoch in Europa im Firmenumfeld keine große Rolle spielen. Großer Vorteil der Produkte auf Palm-Basis: Sie sind verhältnismäßig preisgünstig. "Deshalb werden sie auch vor allem dort eingesetzt, wo der Preis eine besonders große Rolle spielt, etwa bei Behörden oder im Bildungsbereich", so Cozza. Selbst Palms neues Highend-Flaggschiff, der Tungsten T, ist noch deutlich billiger als der günstigste Pocket-PC.

Die zweite große Gruppe sind die Unternehmen, die Microsofts Betriebssystem Pocket-PC lizenziert haben. Dazu gehören unter anderem HP, Nokia und Siemens. Dell will dieses Segment ebenfalls besetzen, Geräte sollen noch im Frühjahr in Europa zu haben sein. "Da sie auf Microsoft-Technologie basieren, haben diese Anbieter bei den IT-Profis den Ruf, einfacher integrierbar zu sein", so Cozza. Als dritter Akteur will sich seit Anfang des Jahres IBM platzieren. Dabei will das Unternehmen keine eigenen Rechner produzieren, sondern lizenziert eine Plattform, die auf den hauseigenen Chips der Power-PC-Reihe aufbaut.

Zahlreiche Unternehmens-Anwendungen denkbar

Neben dem bereits üblichen Nutzen als Terminkalender zeichnen sich noch eine ganze Reihe anderer Anwendungen für die Kleincomputer in Unternehmen ab, meint Thorsten Wichmann vom Berliner Marktforschungsunternehmen Berlecon: Chancen sieht Wichmann dort, wo Geräte drahtlos an lokale Netze angebunden werden können.

Beispiel Kaufhof: Dort schauen die Kundenbetreuer über ihre mobilen Geräte nach, welche Kleidungsstücke mit der nächsten Lieferung kommen. 3700 PDA sind im Einsatz und ersparen den Mitarbeitern Lauferei bei der Etikettierung oder der Inventur. Andere Anwendungsfelder seien Maschinenkontrolle, Wartungsarbeiten oder routinemäßige Bestellungen in einem Krankenhaus, sagt Wichmann.

Auch bei mobilen Pflegediensten kann ein Handheld die Buchführung übernehmen. So lassen sich zum Beispiel die Daten von einem Blutzuckermessgerät auf einen PDA übertragen und dort speichern, sagt Markus Bregler, Chef von Palm Europe.

Konkurrenz für Laptops

Dabei konkurrieren die Geräte in einigen Fällen mit Laptops. "Wer viele unterschiedliche Informationen braucht, etwa bei den Kunden im Außendienst, der braucht einen Laptop. Wer immer auf die gleichen Informationen zugreift, etwa bei der Datenerfassung zur Warenbestellung, der kommt auch mit einem PDA aus", grenzt Wichmann ab. Gegen Laptops spricht auch das immer noch umständliche Hochfahren der tragbaren Personal Computer: "Der Zugriff auf die Informationen dauert auf dem Notebook länger. Wer beispielsweise auf dem Bahnhof steht und einen schnellen Zugriff auf Kontaktdaten braucht, der greift eher einmal zum PDA", meint Hans-Georg Völk, der bei Siemens Business Services neue Dienstleistungen entwickelt. Bei Siemens sei das mittlere Management weitgehend mit PDA versorgt, im Moment werden Außendienstmitarbeiter zum Teil damit ausgestattet.

In dem Maß, in dem die Kleinrechner in die IT-Infrastruktur eingebunden werden, gewinnt auch die Diskussion um die Informationssicherheit an Bedeutung. HP hat sein neues Flaggschiff, den Ipaq 5400, mit einer biometrischen Zugangssicherung ausgestattet. Ein Sensor unterhalb des Navigationsknopfes erkennt den Fingerabdruck seines Besitzers. IBM hat für den asiatischen Markt ein ähnliches Modell in Kooperation mit Consumer Direct Link entwickelt, einem kalifornischen Spezialisten für mobile Anwendungen. "Bei der Beschaffung in Unternehmen ist die Sicherheit ein zentrales Argument", meint Gartner-Analystin Cozza.

Sicherheit nach Maß

Der Schutz vor dem Zugriff durch Unbefugte werde, so Siemens-Manager Völkl, binnen zwei Jahren zusammen mit Public-Key-Infrastrukturen möglich sein. Dann könnten biometrische Verfahren in Kombination mit PIN den PDA einen kompletten Zugang zu Anwendungen im Firmennetz öffnen. Hier könnte auch der Trusted Pocket Signer eine Rolle spielen. Diese Plattform wurde gemeinsam vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologien, Kobil Systems, dem Fraunhofer für Biomedizinische Technik-Institut sowie der SRC Security Research & Consulting entwickelt. Sie ermöglicht, dass PDA sicher und drahtlos mit PC-Signatur- Anwendungen kommunizieren können.

Sicherheit bedeutet aber auch, dass die Mitarbeiter wirklich immer auf die Daten aus dem Netz zugreifen können, wenn sie sie brauchen. Die Infrastruktur des Unternehmens muss das verkraften, die Geräte und Anwendungen müssen außerdem mit unterschiedlichen Zugangstechnologien unterwegs klarkommen. Völks Konsequenz: "Im zweiten Schritt muss erfasst werden, wer welche Geräte hat und welche Daten er benötigt." Gerade im Problemfall sei das wichtig. "Wenn die Infrastruktur nicht funktioniert, brauchen Unternehmen definierte Service-Strukturen, die festlegen, wer wie schnell reagieren muss."

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