Pechsträhne für den "Spin Doctor"
Putins Einflüsterer kämpft um die Macht

"Endlich ist wieder einer der unseren an der Macht." Im Konflikt um den Ölkonzern Yukos zeigt sich der wachsende Einfluss der Geheimdienstfraktion.

Endlich ist wieder einer der unseren an der Macht." Viel Wodka floss zu langen, langen Reden. Als Wladimir Putin vor gut drei Jahren zum russischen Präsidenten ernannt wurde, da jubelten sie in der Lubjanka, dem Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB unweit des Kremls. Denn Putin selbst ist ein Zögling des FSB, er entstammt dem berühmt-berüchtigten Geheimdienst, der, in der Substanz unverändert, früher einmal KGB hieß.

Seither dankt der Staatschef die Beförderung seinen Ex-Kollegen mit immer neuen Posten. Nun haben die Putin-Getreuen im Kreml offenbar den Kampf um die Macht eröffnet. Und sie haben sich mit dem Ölkonzern Yukos damit gleich ein Symbol herausgefischt: das größte private Unternehmen, das zudem von einem der bekanntesten Oligarchen geführt wird. Yukos-Chef Michail Chodorkowskij soll mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen mürbe gemacht werden. "Krieg gegen Yukos" nannte das Moskauer "Journal" die seit einem Monat laufenden Ermittlungen.

Der Kampf gegen Yukos ist mehr als der Versuch des Kremls, noch mehr Einfluss auf die Energieindustrie zu bekommen. Hier geht es um ein Symbol, um die Macht im Lande, die Macht im Kreml. Denn der Geheimdienst reklamiert immer mehr Aufgaben für sich. So will sich FSB-Chef Nikolaj Patruschew um den "Betrug bei der Privatisierung" kümmern. Dafür interessiert sich auch die Öffentlichkeit, doch sehen die Moskauer die Aufgabe des FSB an ganz anderer Stelle: Ihrer Ansicht nach hat der FSB seine Hauptaufgabe überhaupt nicht im Griff. So hat der Geheimdienst den jüngsten verheerenden Selbstmordanschlag auf ein Krankenhaus im ossetischen Mosdok mit 44 Toten nicht verhindern können. Auch bei der Geiselnahme in einem Moskauer Musical- Theater versagten die Geheimdienstler im vorigen Jahr.

Die Gegenspieler der FSB-Fraktion im Kreml wurden bisher von Administrationschef Alexander Woloschin repräsentiert, bislang die graue Eminenz der Administration. Er hat Putin bei der Entmachtung des einst mächtigsten Oligarchen Boris Beresowskij wichtige Dienste geleistet. Ihn umgeben vor allem Wirtschaftsliberale.

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