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Peinliche Internet-Panne: ZDF veröffentlichte Wahlprognose zu früh

Das ZDF hat seine Prognose am Wahlabend bereits vor 18 Uhr veröffentlicht. Auf der Online-Seite des Nachrichtensenders waren die Zahlen nach Beobachtung der Redaktion von Handelsblatt.com bereits vor 18 Uhr sichtbar.

von Roland Schweins

DÜSSELDORF. Die Zahlen konnten wenige Minuten vor Schließung der Wahllokale auf der Internet-Seite www.zdf.de abgerufen werden. Das ZDF bestätigte den Vorfall. "Wir hatten tatsächlich für einige Sekunden ein Problem", erklärte ZDF-Sprecher Walter Kehr auf Anfrage von Handelsblatt.com. Er erklärte dies mit einem technischen Versehen. Weil das ZDF die Daten auf etliche lokale Server verteile, sei um zwei Minuten vor 18 Uhr auf einigen Servern die Prognose sichtbar gewesen. Dies sei für maximal zehn Sekunden und "keinesfalls bundesweit" der Fall gewesen, so Kehr.

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Es ist allerdings technisch fast unmöglich, einen einmal ins Netz gestellten Inhalt innerhalb weniger Sekunden zuverlässig zurückzuziehen, weil nicht verhindert werden kann, dass dieser Inhalt in zahlreichen Proxy-Servern noch längere Zeit verfügbar ist. Ein Proxy-Server sorgt für die Zwischenspeicherung von Inhalten im Netz. Sie werden von Providern eingesetzt, um die knappe Bandbreite zu schonen.

Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte der Privatsender RTL viel Schelte einstecken müssen, weil Moderator Peter Kloeppel mit der Bekanntgabe der Prognosedaten bereits kurz vor 18 Uhr begonnen hatte. Exakt 37 Sekunden vor Schließung der Wahllokale um 18 Uhr veröffentlichte der Kölner Sender die ersten Umfragezahlen.

ZDF rügte Vorgehen bei RTL 1998 schwer

Damit hatte RTL die Nase vorn - die anderen warteten wie vorgeschrieben bis 18 Uhr. Das deutsche Wahlgesetz ahndet die Veröffentlichung von Wählerbefragungen vor Ablauf der Urnengänge am Wahltag als Ordnungswidrigkeit.

Pikant an der ZDF-Panne ist, dass bei der Wahl im Jahr 1998 besonders aus Reihen des Mainzer Senders Kritik verlautete: So kritisierte der ZDF-Innenpolitikchef Thomas Bellut noch in der Sendung den Vorgang. Bellut warf RTL vor, dass der Privatsender mit dem Verhalten bewusst seine Einschaltquoten habe erhöhen wollen. Er sprach von "demokratischem Anstand" und dass die Einhaltung der Regeln eine Frage der Ehre seien. Auch der damalige ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser, jetzt Moderator beim Nachrichtensender "n-tv", wandte sich umgehend an den Bundeswahlleiter und beschwerte sich.

In der Regel sind den Sendern die ersten Prognosen bereits um 17.15 Uhr bekannt. Die Umfrageergebnisse dürfen bis zur Schließung der Wahllokale nicht veröffentlicht werden, um den Wähler bei seiner Entscheidung nicht zu beeinflussen.

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