Peking empfängt früheren IOC-Chef Samaranch
Heimspiel für den Sport-Diktator

Juan Antonio Samaranch wird in China gefeiert wie eine Kultfigur. Schließlich war es der frühere IOC-Chef, der im Juli 2001 die Botschaft verlas, dass Peking die Spiele austragen dürfe. Auch sonst versteht man sich gut, hat der Spanier doch stets klar gemacht, dass er von Demokratie nicht viel und von den Bürgerrechtlern in China noch weniger hält.

PEKING. Das einzig jugendliche sind die weißen Turnschuhe, die Juan Antonio Samaranch an diesem Vormittag trägt. Vielleicht geben sie dem 88-Jährigen einen festeren Tritt, als er seine Schritte tastend in die dunkle "Halle der Keramik" setzt. Doch die Schuhe passen irgendwie nicht zu dem Spanier, der 20 Jahre lang das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit harter Hand regiert hat.

Das war einmal. An diesem Vormittag muss Samaranch immer wieder von seinem Freund Bernie Ecclestone gestützt werden, den er zum Besuch der Verbotenen Stadt in Peking mitgebracht hat. Der Herr der Formel 1 ist mit fast 78 Jahren aber auch nicht mehr so flott wie der Sport, den die zwei Greise im Reich der Mitte verkörpern.

Samaranch in China - das ist so etwas wie ein Heimspiel. Der Spanier wird in der Volksrepublik gefeiert wie eine Kultfigur. Denn er war es, der im Juli 2001 die Botschaft verlas, dass Peking die Spiele 2008 austragen dürfe. "Wir begrüßen den beliebtesten Ausländer in China, dem wir die Spiele verdanken", ruft so auch begeistert Feng Jun vor der Halle aus der Ming-Dynastie, wo eine Ausstellung chinesischer Vasen besucht werden soll. Fung ist der Chef der Pekinger Elektronikfirma Aigo und hat den gemeinsamen Auftritt von Samaranch und Ecclestone am Rande der Olympischen Spiele organisiert - und wohl auch bezahlt.

Der quirlige Entrepreneur, der einer der ersten chinesischen Fackelläufer dieser Spiele war, hat für die hohen Gäste sogar einen traditionellen Seidenanzug angelegt. Und so umtanzt er wie einst ein kaiserlicher Beamter die beiden wichtigen Sport-Herrscher, erklärt dabei draußen die alten Gebäude und drinnen die alten Vasen.

Samaranch, der einst im loyalen Dienst zum spanischen General Franco aufstieg, fühlt sich in China sichtlich wohl. Auch wenn die Hitze drückt an diesem Tag und auch noch Journalisten Fragen stellen wollen. So sagt er schnell ein paar Worte, natürlich nur Gutes über das große Land, das er regelmäßig besucht. Und dass die Pekinger Sommerspiele "ein großer Erfolg" und die Stadien "wunderbar" sind.

Seite 1:

Heimspiel für den Sport-Diktator

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%